Schreibfeder

homilia.de

Methodensammlung

ABC-Liste

Bei der ABC-Liste (auch Abecedarium) wird eine Liste mit Wörtern zu einem bestimmten Thema erstellt. Zu jedem Buchstaben des Alphabets soll ein Wort gefunden werden. Beispielsweise könnte der Anfang einer ABC-Liste zum Thema "Nachfolge" so aussehen:

A ufbrechen
B egeisterung
C hristus
D ienst
E rkenntnis
usw. ...

Eine Variante ist die Wörterliste.

nach oben

Abschreiben

Einen Text abzuschreiben verlangsamt die Wahrnehmung eines Textes und kann zu einer meditativen Übung werden. Dabei ist es wichtig, den Text nicht so schnell wie möglich zu übertragen, sondern sich Zeit zu nehmen, etwa indem man sich bemüht, in seiner schönsten Schrift zu schreiben (Vgl. Kaligrafie).

Varianten sind das deutliche Gliedern des Textes oder das bunte Ausgestalten wichtiger Wörter und Satzteile.

nach oben

Aktualisierung

Eine biblische Erzählung wird unter den Bedingungen der Gegenwart neu erzählt. Solch eine aktualisierende Neuerzählung ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Das Ergebnis kann in einer narrativen Predigt verwendet werden.

nach oben

Assoziieren

Grundlegend für die Kreativität ist die Fähigkeit, bislang nicht Verbundenes zueinander in Beziehung zu setzen. Dazu gehört als Methode beispielsweise die Collagetechnik, die manchmal auch „materiale Assoziation“ genannt wird. Allerdings ist das bloße Collagieren noch kein Assoziieren – das erfolgt erst bei der Betrachtung der collagierten Materialien.

Die gängigste Form der Assoziation dürfte die semantische und thematische Assoziation sein: Mündlich oder schriftlich werden Begriffe gesammelt, zum Beispiel als Cluster, Mindmap oder Brainstorming. Das semantische und thematische Assoziieren bleibt allerdings in der Regel innerhalb eines Begriffsfeldes und bringt nur bereits vorhandenes Wissen hervor.

Am weitesten geht die freie Assoziation, wie sie zum Beispiel methodisch als stream-of-conciousness-Technik (J. Joyce) oder beim Automatischen Schreiben (Surrealismus) vorliegt. Diese Methode verlangt einige Übung, weil sich bei den meisten Menschen irgendwann der Kopf einschaltet und den Schreibfluss hemmt.

nach oben

Automatisches Schreiben (ecriture automatique)

Das Automatische Schreiben ist eine Technik, die besonders im Surrealismus entwickelt wurde: Die Aufgabe ist, in einer bestimmten Zeit ununterbrochen zu schreiben. Wenn der Schreibfluss hakt, wird das letzte Wort so oft wiederholt, bis es weiter geht. Das hört sich einfach an, verlangt aber eine starke Selbstdisziplin und hohe Konzentration. Zudem muss man sich gut überlegen, was man mit solcherart entstandenen Texten anfängt: Auch sie sind kein Selbstzweck. In Anlehnung an Paulus kann man sagen: Es handelt sich um Grapholallie, die hernach in vernünftige (prophetische) Rede überführt werden sollte.

nach oben

Biblische Formen imitieren/transformieren

Gattungsformen wie Psalm, Seligpreisung, Gleichnis, Wundergeschichte oder Prophetie sind Idealtypen, die es als reine Formen meistens gar nicht gibt. Schon die biblischen Autoren waren kreativ genug, sich nicht von Formgrenzen einengen zu lassen. Orientiert an den Idealtypen dieser Formen, wie sie z.B. Einleitungen ins Alte und Neue Testament beschreiben, können solche Texte selbst geschrieben werden.

Eine interessante Variante bildet die Übersetzung von einer Gattungsform in eine andere, zum Beispiel indem aus einer Wundergeschichte ein Psalm wird (gesungen vom Wunderempfänger) oder eine Seligpreisung zu einer Wundergeschichte umgestaltet wird.

nach oben

Brainstorming

Das Brainstorming ist eine von Alex F. Osborn entwickelte Kreativitätsmethode, die zumindest als Begriff auf vielen Feldern angewendet wird. Das Grundprinzip des Brainstorming ist: Innerhalb einer vorher festgelegten Zeit werden alle Vorschläge und Assoziationen einer Gruppe gesammelt. Kein Vorschlag wird kommentiert oder diskutiert, jeder Vorschlag zählt gleich viel, selbst wenn er ‚unlogisch’ oder nicht ernst gemeint ist.

Das Brainstorming läuft in mindestens zwei Phasen ab: Am Anfang steht die Sammlungsphase wie eben skizziert. Methodische Elemente  können (neben dem Sammeln der Ideen auf Papier, Folie oder Tafel) das Clustering, das Stumme Gespräch oder das Scrabble-Verfahren sein. Daran schließt sich eine Kritik-Phase an, bei der die besten Ideen ausgewählt und neu zusammengestellt werden (z.B. in Form einer Mindmap).

nach oben

Brainwriting

Das Brainwriting ist eine Kreativitätsmethode aus dem Wirtschaftsbereich und mit dem Brainstorming verwandt. Wie beim Brainstorming geht es darum, den Assoziationen freien Raum zu lassen. Dazu beginnt jeder Teilnehmer mit einem eigenen Zettel und notiert darauf seine Stichwörter und Ideen zu einem Thema. Nach einer bestimmten Zeit wird das Blatt weiter gereicht, bis es wieder beim Ursprungsautor ankommt.

Statt Stichwörtern können auch kurze Texte produziert werden. Diese Texte entstehen als Gruppentexte: In einem zuvor ausgehandelten Zeitrahmen schreibt jeder Teilnehmer seine Überlegungen zu einem Thema auf einen Zettel. Nach Ablauf der Zeit reicht er den Zettel an seinen Nachbarn weiter, der die Überlegungen fortführt usw. Ist der Zettel wieder beim ursprünglichen Autor angelangt, überarbeitet dieser den entstandenen Text.

Eine Variante bildet die Methode 415.

Zuweilen wird unter Brainwriting auch verstanden, was hier unter Freiem Schreiben (Freewriting) oder unter Automatischem Schreiben (ecriture automatique) beschrieben ist.

nach oben

Brief/Postkarte schreiben

Zu einem Thema wird eine kurze Postkarte oder ein Brief an eine echte oder fiktive Person geschrieben. Das Verfahren setzt die hohe Hürde herab, die oft bei der Textproduktion zur Schreibhemmung führt, und hilft dabei, einen Gedankengang adressatenorientiert zu formulieren.

nach oben

Cluster (Wörtertraube/ Wörternetz)

Der Begriff des Clusters ist ein schillernder Begriff. In die Terminologie des Kreativen Schreibens wurde er von G. Rico eingebracht und meint dabei ein Netzwerk von Worten und Gedanken, die von einem Zentrum aus entwickelt werden.

Solch ein Cluster kann von einer Person oder von mehreren gleichzeitig entwickelt werden. In letzterem Fall nähert sich das Clustering dem Stummen Gespräch an, v.a. wenn nicht nur Wörter, sondern ganze Sätze notiert werden.

Das Cluster ähnelt einer Mindmap, aber beides ist voneinander zu unterscheiden: Die Spezialität des Cluster ist, dass aus zunächst unsystematischen, assoziative Ideenketten ein Gedankennetz entsteht, das einen Schreibimpuls auslöst. Wer diesen Schreibimpuls spürt, fängt unmittelbar an zu schreiben und schreibt, solange der Impuls trägt. Hier verbindet sich das Clustering mit dem Freien Schreiben.

[Clustering - Schritt für Schritt]

nach oben

Collage

Bei der Collage kann im Unterschied zur Montage alles – auch offensichtlich nicht zusammengehörendes – zusammengestellt werden. Dabei braucht kein Eindruck von ursprünglicher Einheit angestrebt werden. Im Gegenteil: Die Collage lebt gerade von den Kontrasten. Als Methode der Textproduktion ist die Collage z.B. im Dadaismus eingesetzt worden.

Wenn das Produkt der Collage nicht Selbstzweck sein soll, ist es wichtig, sich mit anderen Interpretationsmethoden der eigenen Arbeit zu nähern. Welche Entdeckungen kann man machen? Welche überraschenden Verbindungen entstehen? Die Beobachtungen lassen sich in einem Cluster oder systematischer in einer Mindmap zusammentragen, die wiederum die Grundlage für einen Text bilden können.

Varianten:

a) Textschnippsel werden auf ein Blatt geworfen und so festgeklebt, wie sie zufällig gefallen sind.

b) Die Collage entsteht in Gruppenarbeit.

nach oben

Der Heilige Bogen

Der „heilige Bogen“ geht auf ein Spiel des Kabarettisten Hans Scheibner zurück: Aus spontanen Zurufen entwickelte der Kabarettist auf der Bühne eine Art Kurzpredigt, indem er sich von den absonderlichsten Dingen zu kirchlich-frommen Aussagen hinüber wand.

Selbstgestellte Aufgaben können sein, einen beliebigen Zeitungstext mit einem biblischen Vers oder einer Geschichte in Verbindung zu bringen. Hervorragend eignen sich dazu auch die Karten aus dem Spiel „Das Buch & Das Leben“ (aus dem Spieleverlag Spieltrieb).

nach oben

Elfchen/Silben-Elfchen

Das Elfchen ist keine klassische Gedichtform, sondern ein mittlerweile klassisches Schreibspiel. Es besteht aus elf Wörtern bzw. elf Silben die sich auf fünf Zeilen verteilen. Diese Grundregeln lassen sich noch um inhaltliche Vorgaben erweitern.

1. Zeile: ein Wort/ eine Silbe       eine Farbe

2. Zeile: zwei Worte/ Silben       Gegenstand/Thema

3. Zeile drei Worte/ Silben        Eigenschaften

4. Zeile::            vier Worte/ Silben         Handlung

5. Zeile: ein Wort/ eine Silbe       Pointe/Schluss

nach oben

Essay

Im anglo-amerikanischen Bildungssystem kommt dem Essay eine ähnlich tragende Rolle zu wie in Deutschland dem Aufsatz. Der Vorteil des Essays ist, dass er in seiner Form spielerischer ist als der normierte Aufsatz. Statt streng nach dem Schema „Einleitung – Hauptteil – Schluss“ zu verfahren, steht am Anfang des Essays eine Prämisse – z.B. in der Form eines „Was wäre, wenn ...“. Oder zwei zunächst miteinander unverträgliche Dinge, z.B. eine Wundergeschichte und ein Alltagsgegenstand. Die Prämisse ist, davon auszugehen, dass Geschichte und Gegenstand etwas miteinander zu tun haben (Vgl. dazu auch Der heilige Bogen).

Der Essay ist dabei kein wissenschaftlicher Aufsatz, sondern ein kreatives Spiel mit Möglichkeiten. Etwas pathetisch formuliert: Der Essay ist die große Schule des kreativen, selbständigen Schreibens.

nach oben

Fortsetzung schreiben

Was geschieht eigentlich mit den Menschen, über deren Heilung in den Wundergeschichten berichtet wird? Was erlebte der Psalmdichter, nachdem er seinen Psalm verfasst hat? Das sind zwei Möglichkeiten, einen biblischen Text fortzusetzen. Sie stehen eher am Ende einer Texterarbeitung. Am Anfang steht dagegen die Fortsetzung einer Wundergeschichte, die nicht zuende erzählt wird: Der Blinde ruft nach Jesus – was passiert? Was würde unter bestimmten Bedingungen passieren?

Interessant ist diese Methode nicht nur für den Unterricht, wenn z.B. KonfirmandInnen die Geschichte noch nicht kennen. Auch wer eine Geschichte bereits kennt, kann ab einem beliebigen Zeitpunkt eine Fortsetzung schreiben. In beiden Fällen bietet es sich an, im Anschluss die eigenen Variante mit der biblischen Erzählung zu vergleichen.

nach oben

Freies Schreiben (Freewriting)

Das Freie Schreiben gehört neben Cluster und Mindmap zu den Grundmethoden des Kreativen Schreibens. Sie geht zurück auf Peter Elbow und Ken Macrorie. Zunächst angelehnt an das Automatische Schreiben hat sich das Freewriting zunehmend zu einer Methode entwickelt, dem eigenen Schreibstil auf die Spur zu kommen.

Für das Freewriting gibt es zahllose Varianten. Wenn es deutlich über das spontane Schreiben hinausgehen soll, empfiehlt sich die Stichwortmethode mit Zeitbegrenzung: Ausgehend von einem Stichwort oder einer Themenformulierung wird innerhalb eines bestimmten Zeitraumes unterunterbrochen geschrieben, was einem in den Sinn kommt. Bewährt hat sich ein Zeitraum von 5 Minuten (Roberta Allen hat diese Methode in „Literatur in 5 Minuten“ ausführlich beschrieben).

nach oben

Haiku/ Senryû (Rhythmus 575)

Haiku und Senryû sind ursprünglich Formen der japanischen Lyrik. Sie haben ein recht einfaches Schema: Es handelt sich um dreizeilige Gedichte, mit 5 Silben in der ersten, 7 Silben in der zweiten und wieder 5 Silben in der dritten Zeile. Der Unterschied zwischen Haiku und Senryû besteht nicht in der Form, sondern im Inhalt: Haikus sind Naturgedichte, während in Senryû alle Themen behandelt werden können. Allerdings hat sich mittlerweile für beide Formen die gemeinsame Bezeichnung Haiku eingebürgert (vgl. Tanka).

nach oben

Handlungssequenzen

Die Handlungssequenzen einer Erzählung werden als Kette von Ereignissen dargestellt. Zu jedem Kettenglied soll eine mögliche alternative Handlungssequenz notiert werden. Die Methode geht zurück auf die linguistische Handlungssequenzanalyse. Sie kann fortgesetzt werden mit der Methode „Was wäre, wenn ...“, indem an einem Punkt ein alternativer Handlungsstrang entwickelt wird (vgl. Fortsetzung schreiben)

nach oben

Interview schreiben (mit Verfasser/Person im Text)

Aufgabe: Schreiben sie ein Interview mit dem Verfasser eines Textes oder einer Person aus einer Geschichte. Dazu können sie ein zuvor erstelltes Cluster oder eine Mindmap verwenden.

nach oben

Kaligrafie

Kaligrafie ist zunächst einmal nichts weiter als in Schönschrift schreiben (vgl. Abschreiben) – die engere Bedeutung des Wortes geht aber darüber hinaus: Kaligrafie ist dann das Erlernen besonderer Schriften zur handschriftlichen Gestaltung von Texten.

Solch ein schreibendes und grafisches Gestalten ist selbst eine Form von Textinterpretation.

Echtes kaligraphisches Arbeiten ist einigermaßen voraussetzungsreich. Man benötigt z.B. Tusche, nicht-saugenden Karton, einen Pinsel oder Griffel und Feder. Und einige Übungszeit, bis man ein erstes Alphabet ansprechend schreiben kann.

nach oben

Liste/Hitliste

Die Liste ist das einfachste Mittel, eine Reihe von Notizen zu einem Thema zu sammeln. Zur Sammlung von Assoziationen zu einem Stichwort empfiehlt es sich, die Länge der Liste klar zu bestimmen, zum Beispiel 10 Wörter zu einem Stichwort oder Thema zu sammeln. Das ist sehr einfach und dennoch effektiv, weil es dazu zwingt, sich auf mehr als nur den erstbesten Einfall einzulassen.

Die Hitliste zählt Einfälle nach einem Kriterum auf (die zehn Besten, Schlechtesten etc.) und zwingt zu Überlegungen nach einer Hierachie.

Das Problem von Listen ist: Sie werden sehr schnell unübersichtlich, weil jede Assoziation gleichwertig neben einer anderen steht. Und sie lassen sich nur schwer weiter entwickeln. Listen kommen vor allem dem linear-begrifflichen Denken entgegen. Eine Weiterentwicklung der Hitliste ist, was man im Mindmapverfahren eine Anfangsmindmap nennt: Die Einfälle werden nicht linear, sondern auf Linien rings um ein Anfangswort gesammelt. Grafisch organisierte Listen sind Wörterblume/Wörtersonne.

nach oben

Methode 415

Die Methode 415 ist eine Brainwritingtechnik: Es werden Vierergruppen gebildet. Jede Gruppe erhält vier Arbeitsblätter mit einer Frage zum Text. Nun soll jedes der vier Gruppenmitglieder einen Gedanken innerhalb von fünf Minuten skizzieren. Nach fünf Minuten werden die Blätter im Urzeigersinn weitergereicht. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis alle Gruppenmitglieder auf jedem Arbeitsblatt einen Gedanken niedergeschrieben haben.

Es gibt hierfür zahlreiche Variationsmöglichkeiten, z.B. als Methode 615 (=Sechsergruppen) oder 413 (=jeder hat nur drei Minuten Zeit). Ziel des Brainwriting ist, durch das Erzeugen von Stress zu ungewöhnlichen, spontanen Überlegungen anzuregen.

Als anschließende Phase wird empfohlen, die Ergebnisse in der Kleingruppe zu diskutieren und die besten Ideen auf einem neuen Blatt zu notieren. Dieses Blatt wird schließlich im Plenum vorgestellt.

nach oben

Mindmap (Wissenkarte)

Die Mindmap-Methode ist ursprünglich eine Entwicklung von T. Buzan. Sie lässt sich v.a. zur Systematisierung von Ideen und Vorschlägen einsetzen. So können z.B. die im Cluster-Verfahren entwickelten Einfälle geordnet werden.

Mindmaps stellen häufig einen Zwischenschritt zwischen kreativer Sammlung und der Textproduktion dar. Sie sind Ideal zur Konzipierung eines Textes.

Sammlung von Einfällen und anschließende Ordnung ist in einem Arbeitsschritt kaum möglich. Um zu verhindern, dass Notizen aufwändig von einem Cluster in eine Mindmap überführt werden müssen, kann man mit Kärtchen arbeiten. Sehr komfortabel ist Mindmap-Software für den PC (v.a. der MindManager der Firma MindJet). In jedem Fall ist die Kombination von Cluster- und Mindmap-Verfahren ein bewährtes methodisches Instrument der Textproduktion. Obwohl es auf den ersten Blick einfach aussieht, bedarf es einiger Eingewöhnung.

nach oben

Montage

Montage und Collage sind eng miteinander verwandt. Die Eigenart der Montage ist: Aus dem neuen Zusammenfügen von Einzelteilen entsteht ein neues Ganzes: Beispiel für eine Montage wäre, einen Psalm neu zusammen zu setzen, die wörtliche Rede in einer Wundergeschichte durch Psalmworte zu ersetzen oder einen neuen Paulusbrief aus mehreren Briefen zu gestalten. Die Kunst der Montagetechnik besteht darin, dem montierten Text auf dem ersten Blick nicht anmerken zu lassen, dass er nicht ursprünglich in dieser Form geschrieben wurde.

nach oben

Perspektivwechsel

Eine Geschichte wird aus einer anderen Perspektive neu erzählt. Zum Beispiel kann eine Wundergeschichte von der dritten in die erste Person umgesetzt und aus der Sicht des Geheilten oder eines Jüngers werden. Oder ein Psalm von der ersten in die dritte Person umgeschrieben werden. Im ersten Fall könnte es darum gehen, die Ich-Erzählung um einen inneren Monolog zu erweitern, im zweiten Fall darum, den Psalmbeter und die Situation in der er sich befindet, zu beschreiben.

Anspruchsvoller ist die Aufgabe, eine neue Person dazu zu erfinden, die von dem Ereignis berichtet, statt einer Person Gegenstände erzählen zu lassen (z.B. die Krippe in der Weihnachtsgeschichte, der Stock des Mose oder die Trage, auf der der Gelähmte zu Jesus gebracht wird) oder eine Geschichte aus der Sicht einer Randperson oder eines Gegners zu erzählen. Der Perspektivwechsel gehört zu den wichtigsten Methoden in der narrativen Predigt.

nach oben

Plot-/Flussdiagramm

Die Handlungssequenzen einer Erzählung bzw. der Argumentationsgang eines Sachtextes werden grafisch dargestellt und die Zusammenhänge einzelner Handlungen/Argumente visualisiert.

nach oben

Prämissen/Leitidee verändern

Sachtexte beruhen ebenso wie erzählende Texte auf bestimmten Vorannahmen – nur in den seltensten Fällen werden diese Vorannahmen ausgesprochen. Indem ein Text mit einer kontrastierenden Vorannahme verbunden wird, kann eine Auseinandersetzung mit solchen Vorannahmen möglich werden. Beispielsweise kann eine Wundergeschichte unter der Prämisse neu erzählt werden, dass es keine Wunder gibt.

Eine anspruchsvollere Aufgabe ist, zunächst die (impliziten oder expliziten) Vorannahmen eines Textes zu erarbeiten, sie dann zu verändern und den Text unter den veränderten Bedingungen neu zu schreiben.

nach oben

Précis

Ein Text wird auf einen bestimmten, eindeutig definierten Umfang reduziert (z.B. von 300 auf 30 Wörter).

nach oben

Schema

Die Entwicklung von Schemata ist ein klassisches Kreativitätsverfahren, das von vielen Schriftstellern angewendet wurde und wird. Im Grunde sind alle Formen der Darstellung von Begriffszusammenhängen Schemata. Oft bedient man sich dabei organischer (Baum) oder logischer Formen (logisches/semantisches Viereck).

Mithilfe von Schemata lassen sich sehr einfach verschiedene Bedeutungsvarianten von Wortkombinationen übersichtlich darstellen und durchspielen. Schemata haben eine hohe suggestive Kraft – darin steckt eine Gefahr v.a. bei theoretischen Überlegungen: Was zum Erfassen von Wirklichkeit beitragen soll, wird plötzlich selbst für wirklich gehalten: Das Denken wird schematisch.

Auf der anderen Seite hilft ein Schema, zunächst einmal sich selbst und dann durch das Schema auch anderen einen komplizierten Sachverhalt zu vermitteln.

nach oben

Schrift-/ Wort-/ Buchstabenbilder

Recht einfach ist die Methode, mit Worten und Buchstaben zu „malen“. Dazu genügt ein Blatt und ein Stift. Die Aufgabe besteht darin, ein Bild nur mit Buchstaben und Worten zu gestalten. Das Vorgehen ähnelt dem kaligrafischen Arbeiten, ist aber stärker grafisch orientiert und verzichtet in der Regel auf das vollständige Abschreiben eines Textes.

nach oben

Scrabble

Scrabble verdankt seinen Namen dem berühmten Kreuzwortbrettspiel:

In einer kleineren Gruppe (max. 10 Schüler) kann man auch mit einem solchen Spiel spielen. Die Firma Mattel hat ein Scrabble-Kartenspiel auf den Markt gebracht, das sich auch für größere Gruppen eignet. Ansonsten kann auf einem Papier (in Kleingruppen), auf Folie (in größeren Gruppen), notfalls auch an einer Tafel oder Flipchart gespielt werden.

Das Spiel ist vor allem dazu geeignet, semantische Assoziationen hervor zu bringen. Man legt oder schreibt in die Mitte des Brettes resp. eines karierten Blattes ein Stichwort. Nach Scrabbleregeln werden nun reihum assoziierte Wörter hinzugefügt, d.h. Buchstaben, die zusammen kein neues Wort ergeben, müssen mindestens mit einem Wort Abstand gelegt/notiert werden.

Mit den auf diese Weise gesammelten Wörtern kann man in unterschiedlicher Weise weiterarbeiten: z.B. unter Verwendung der Wörter einen Brief/ eine Postkarte schreiben oder eine Kurzgeschichte oder ein Gebet formulieren.

nach oben

Soziogramm

Die sozialen Beziehungen der Handelnden in einem Erzähltext werden grafisch dargestellt. Ein vorhergehender Arbeitsschritt kann sein, die handelnden Personen in einem Text zu unterstreichen.

nach oben

Standbild bauen und beschreiben

Das „Standbild“ ist eine Methode des handlungsorientierten Unterrichts: Dort bekommen Schüler den Auftrag, ein Standbild zu einer Geschichte zu bauen, d.h. ein „Regisseur“ stellt eine Gruppe zu einer Art Denkmal zusammen. Diese Methode lässt sich variieren, indem die Arbeitsgruppe in zwei Teile aufgeteilt wird: Die eine Gruppe baut ein Standbild, die übrige beschreibt anschließend, was sie sieht.

nach oben

Stummes Gespräch

In seiner Grundstruktur gleicht das Ergebnis eines Stummen Gesprächs visuell dem Cluster, in seinem Ablauf ist es ähnlich wie das Chatten im Internet: Ideen zu einem in der Mitte eines Plakates notierten Thema können von allen Teilnehmenden gleichzeitig gelesen und kommentiert werden. Anders als beim Cluster geht es nicht um das Weiterverfolgen einer Gedankenkette, sondern in der Tat um Dialog und Austausch – mit allen sprachlichen Handlungen, die dazu gehören.

Da das Stumme Gespräch zu Unübersichtlichkeit neigt, ist es unumgänglich, ausreichend Zeit zur Ergebnissicherung einzuplanen. Dies kann in der Form geschehen, dass die Gesprächsergebnisse einiger Hauptstränge sowie wichtige und inspirierende Aspekte gesondert notiert werden. Eine zweite Möglichkeit ist die Systematisierung der Gespräche mittels einer Mindmap.

nach oben

Tanka (Rhythmus 57577)

Tankas sind erweiterte Haikus, d.h. sie bestehen aus einem Haiku/ Senryû der Form 575, dem zwei weitere 7-silbige Zeilen folgen. Thematisch sind Tankas wie Senryû inhaltlich ungebunden.

nach oben

Text unterstreichen/ gliedern / löschen

Das Unterstreichen und Gliedern von Texten gehört zu den Grundlagen der Textarbeit – obwohl dies selbstverständlich erscheint, ist es dies keineswegs: Auch das Unterstreichen will gelernt sein und bedarf regelmäßiger Übung.

Das Unterstreichen, Gliedern und Löschen von Text dient dazu, die Informationsfülle eines Textes zu reduzieren. Es handelt sich dabei immer um vorbereitende Arbeitsschritte: Wichtige Textinformationen sollen für das eigene Verarbeiten hervorgehoben werden.

nach oben

Texte imitieren

Die Textimitation ist eine verbreitete Methode im Deutschunterricht, wird dort aber häufig im Sinne eines normierten Schreibens angewandt. Hier dominiert die spielerische Variante. Das Imitieren von Texten kann in zweierlei Weise geschehen: Erstens als Variation eines vorliegenden Textes oder zweitens als vollständige Neugestaltung eines Textes im Anschluss etwa an ein Clustering oder Mindmapping.

nach oben

Textpuzzle

Ein Text wird entweder Wort für Wort, Satz- oder Versweise zerschnitten und anschließend wieder zu einem sinnvollen Text zusammen gesetzt (Vgl. Montage und Collage).

Variante: Verschiedene Texte werden zerschnitten.

nach oben

Textumbau

Die Methode des Textumbaus ist auf die formalen Eigenschaften eines Textes gerichtet. In der Regel es darum, einen lyrischen Text in Prosa oder Drama umzusetzen oder umgekehrt. Vor allem die Methode, einen Prosatext schrittweise immer weiter zu ‚verdichten’, bis daraus ein ‚Gedicht’ entsteht, dürfte gerade auch für Ungeübte zu bewältigen sein. Ziel ist, einen Text auf einen Kerngedanken zu reduzieren – unabhängig davon, ob dieser der vermeintliche Kerngedanke des Textes insgesamt ist.

nach oben

Textverfremdung

Die Textverfremdung zielt darauf, einen Aspekt eines bereits erarbeiteten Textes besonders heraus zu stellen, indem der Text vollständig umgearbeitet wird (vgl. Variationen)

Beispiele für Textverfremdungen sind die Veränderung von Ort oder Zeit der Handlung, Veränderung der handelnden Personen (z.B. Männer- und Frauenrollen tauschen), die Gestaltung als Fabel oder die Erzählung rückwärts (vom Ende zum Anfang: Die Jona-Geschichte z.B. beginnt dann nicht mit der Berufung, sondern mit Jonas Warten auf die Vernichtung Ninives).

nach oben

Umkehrung

Die Umkehrung ist ein Spiel mit Oppositionen und Negationen. Vor allem Texte, die mit kontrastreichen Begriffen arbeiten (Liebe, Gerechtigkeit etc.), eignen sich für diese Methode (vgl. Variationen und Wörter ersetzen).

nach oben

Variationen

Die Variation ist die allgemeinste Bezeichnung für Texteingriffe. Einstiegsübung kann ein einzelner Vers sein, der nach allen möglichen sprachlichen Regeln variiert wird.

Im Anschluss daran kann das Verfahren an längeren Texten probiert werden und über die bloß sprachliche Variation hinausgehen. Dazu gehört z.B. das Spiel mit Handlungsalternativen und den damit verbundenen Veränderungen im Text.

Vor allem kleine Formen, wie z.B. in der Arbeit mit einzelnen Versen oder kurzen Perikopen, eignen sich zur Variation, weil die Texte überschaubar sind und einerseits Original und Variante, andererseits mehrere Varianten miteinander verglichen werden können. Der Vorteil variierender Transformation liegt auf der Hand: Es ist einfacher, eine Vorlage nach eigenen Vorstellungen zu überarbeiten, statt einen Text von Grund auf selbst zu schreiben. Mit wachsender methodischer Schreibkompetenz wird man sich aber immer weiter von der ursprünglichen Vorlage entfernen können.

nach oben

Verdorbener Text

Die Methode „Verdorbener Text“ ist eine Methode für den Unterricht. Sie konfrontiert Schüler mit einem vorbereiteten Textfragment, das es zu rekonstruieren oder zu ergänzen gilt. Die Methode kann kombiniert werden mit dem Textpuzzle.

nach oben

Was wäre, wenn ...

Die „Was wäre, wenn ...“-Methode ist eine Grundmethode des erzählenden kreativen Schreibens – freilich ist sie auch eine Grundmethode der Produktion von Sachtexten und Essays, aber das ist eine anspruchsvollere Aufgabe, die durch den Entwurf von Erzählungen methodisch eingeübt werden kann. Das Bindeglied zwischen beidem ist das sog. Gedankenexperiment. Eine einfache Form von „Was wäre, wenn ...“-Überlegungen ist das Durchspielen von Handlungsalternativen.

nach oben

Wort zum Sonntag schreiben

Das „Wort zum Sonntag“ schreiben spricht für sich. Durch die ironische Distanz zum Text fällt es leichter, einen Text schnell zu produzieren. Die Methode kann helfen, eigene Predigtklischees frei zu legen.

nach oben

Wörter ersetzen

In einem Text werden nur einzelne Wörter ausgetauscht (vgl. Variationen und Umkehrung). Zum Beispiel können in einem Psalm einzelne Wörter durch eine Opposition ausgetauscht werden (reich gegen arm, Feind gegen Freund, Weite gegen Enge, Recht gegen Unrecht etc.;). Diese Methode eignet sich insbesondere für lyrische Texte (z.B. Psalmen) und Texte mit hohen Redundanzen (Gleichnisse).

nach oben

Wörterblume/Wörtersonne

Wörterblume bzw. Wörtersonne sind grafisch organisierte Listen. Sie sind vor allem als Einstiegsübungen geeignet, weil sie eine Struktur vorgeben, die ausgefüllt werden muss. Es gibt solche grafisch organisierten Listen in zahlreichen Versionen.

Bei der Wörtersonne wird ein Stichwort umkreist und von diesem Kreis gehen zehn Strahlen ab, auf die jeweils ein Einfall notiert werden kann.

Auch bei der Wörterblume wird ein Stichwort umkreist, jedoch umgeben diesen Anfangskreis zehn Blütenblätter, auf die dann die Einfälle geschrieben werden.

Die Wörtersonne entspricht bereits der Anfangs-Mindmap im Mindmapverfahren, während die Wörterblume durch die Umrahmung der Assoziationen an eine einfache Clusterform erinnert.

nach oben

Wörterliste

Die Wörterliste dient wie die ABCListe dazu, Wörter und Begriffe zu einem Thema zu sammeln. Dabei liefert das Thema die Ordnung der Wörtliste selbst. So könnte eine Wörterlist zum Thema "Nachfolge" so aussehen:

N achahmung
A ufgabe
C amping
H offnung
F olgsam
O pfer
L iebe
G ehorsam
E infach

Neben der ABCListe gibt es eine Reihe weiterer Variationsmöglichkeiten. So kann statt eines Wortes auch eine Redewendung als Grundlage dienen oder es gilt die Regel, dass die Buchstaben nicht die Anfangsbuchstaben der neuen Wörter bilden dürfen.

ei N fach
folgs A m
etc.

Auch ist eine Kombination mit Scrabble ist möglich.

nach oben

Zeitungsmeldung

Eine häufige, vielleicht schon zu häufig eingesetzte Methode imitierenden Schreibens ist die Zeitungsmeldung – v.a. im Stile der BILD-Zeitung. Trotzdem kann das Verfahren nach wie vor brauchbar sein.

Die Methode eignete sich gut für den Unterricht: Vor allem jüngere Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, diesen Stil – orientiert an den W-Fragen – zu kopieren.

nach oben

©2005 holmespeare.de
Letzte Änderung: 25.04.2005