Wortspiele

Preacher-Slams scheinen gerade der „heiße Scheiß“ der Homiletik zu sein. Holger Pyka, Pfarrer in Wuppertal und selbst als Preacher-Slammer unterwegs hat nun ein Buch dazu herausgebracht: „Spiel mit dem Wort. Kreatives Schreiben für Predigt und Preacher-Slam“. Auf rund 170 Seiten skizziert Pyka knapp und pointiert, wie Preacher-Slam und Kreatives Schreiben die Predigtpraxis bereichern kann.

Preacher-Slams sind inspiriert durch Poetry-Slams. Die Dichter-Wettstreite sind in den USA entstanden und haben in den letzten 20 Jahren viele Kulturbühnen weltweit bis in die Provinz hinein erobert. Ursprünglich traten dabei Amateure auf Offenen Bühnen auf, um sich miteinander zu messen. Am Schluss kürt das Publikum – meist durch Applaus – den Sieger. Mittlerweile ist die Szene stark professionalisiert. Der Impuls wurde in den letzten Jahren auch von Kirchen aufgenommen: Bei Preacher-Slams treten Predigerinnen und Prediger in den Wettbewerb um die Gunst der Gemeinde als Publikum.

Holger Pyka schlägt mit seinem Buch nicht vor, die Predigt durch Slams zu ersetzen (siehe die jüngste #abkanzeln-Diskussion). Die Grundidee seines Buches ist eine andere:

„Preacher-Slams stellen Sprachlabore dar, in denen vor einem oft wenig gemeindeaffinen Publikum unverbrauchte Redeformen erprobt, neue Formulierungen für den Glauben entwickelt und etabliert und gewagtere theologische Gedankengänge durchgespielt werden können. Diese sprachlichen Experimente können auch die sonntägliche Predigt beleben und befruchten.“ (S. 14)

Auf verschiedenen Ebenen führt Pyka dabei ins Preacher-Slammen ein: Auf knapp 60 Seiten skizziert er Grundzüge des Kreativen Schreibens. „Kreatives Schreiben“ ist ja selbst bereits ein weites Feld. Pyka stellt Schreibspiele vor, gibt Hinweise zum Schreiben von Lyrik und Prosa und streift die Grundelemente der Erzähltechnik. Den breitesten Raum nimmt – für die Slam-Szene nicht unwichtig – „Humoristisches Handwerkszeug“ ein, denn: „Vor deutschen Slam-Bühnen wird viel gelacht.“ (63)

Niemand wird erwarten, auf diesem knappen Raum alles über das Kreative Schreiben zu erfahren. Aber „Spiel mit dem Wort“ liefert eine sehr gute Einführung für Predigerinnen und Prediger, die weder Zeit noch Lust haben, sich durch die unüberschaubare Flut an Schreibratgebern zu graben. Pyka bringt auf den Punkt, was für die Predigtpraxis inspirierend sein kann. Es kann ja ein Sprungbrett sein, um von dort aus in besondere Bereiche des Kreativen Schreibens vorzudringen.

Neben den allgemeineren Informationen zum Kreativen Schreiben spricht Pyka auch spezielle homiletische Probleme an: Fragen der materialen Homiletik, der Predigtaus- und -überarbeitung sowie des Predigtauftritts selbst. Am Ende steht die Frage, wie sich die Besonderheiten des Preacher-Slammings im pastoralen Alltag zwischen Sonntagspredigt und Kasualansprache auswirken können.

Fazit: Holger Pyka macht deutlich: Preacher-Slam ist mehr als der „heiße Scheiß“ der Homiletik. Es ist vielmehr Ausdruck der aufrichtigen Bemühens um die Predigt im Hier und Heute. Dazu muss man nicht Preacher-Slammer werden wollen. Wer sich schon immer mal mit Kreativem Schreiben und Predigtarbeit befassen wollte, findet in Holger Pykas „Spiel mit dem Wort“ eine gut verständliche, übersichtliche und praxisorientierte Einleitung.

Pyka, Holger: Spiel mit dem Wort! Kreatives Schreiben für Predigt und Preacher-Slam, 1. Aufl., Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019. ISBN 978-3-525-61625-3  – 20 €.

[Leseprobe] des Verlags