Coole Moves

Buttricks Verständnis von Moves

Vor ein paar Jahren waren Fidget Spinner bei Kindern sehr beliebt: ein Spielzeugkreisel, bei dem sich eine Art Flügelanordnung um ein Kugellager in der Mitte dreht. Vergeblich haben ein paar Konfirmanden versucht, mir ein paar „coole Moves“ beizubringen: Unterschiedliche Handgriffe von variabler Komplexität, die sich bei den Könnern zu faszinierenden Fingerchoreografien kombinieren lassen. Eine ähnliche Funktion erfüllen „Moves“ auch in anderen Bereichen: Es sind kleine Bewegungseinheiten, die sich beim Tanzen, Surfen oder Skateboarden zu komplexen Bewegungsabläufen kombinieren lassen und bei Zuschauern ein Staunen auslösen. Coole Moves eben.

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Das Geschenk der Tradition

Was autorisiert das eigene Reden in der Predigt?, fragt David Buttrick. Oft dient die Bezugnahme auf Bibel und Tradition zur Autorisierung von dogmatischen Aussagen und moralischen Forderungen. Buttrick stellt das in Frage: Christliches Leben und damit auch die Predigt ist möglich ohne einen Begriff von Autorität, selbst wenn man der Bibel und Tradition eine normative Kraft zugesteht.

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Riskante Texte versuchen

„Jede Woche ein Kampf um einen Text, der im Idealfall nicht auf Nummer sicher geht, nicht regelgemäß, tausend­mal gehört, gut geölt und ganz okay klingt, sondern angreifbar, irgendwie besonders und auch mal schwer daneben.“ – Harald Martenstein erzählt von seinem Ringen mit den Lektoren um seine wöchentliche Kolumne im ZEIT-Magazin (16/2021). Spannend finde ich dabei den Anspruch, den er dabei für seine Texte formuliert. Es sollen riskante Texte sein. Für mich klingt das nach einem Predigtideal: Eine Predigt, die das sichere Terrain verlässt und etwas versucht – und zwar nicht nur in Form manieristische Spielereien, zu denen die Dramaturgische Homiletik geführt hat, sondern eher wie echte Essays – Texte, in denen jemand wirklich mit einem Gegenstand ringt.

Dazu noch ein Zitat als weiteren Gedanken: „Ich erwarte [von einer Predigt] eine Neuigkeit für mich, etwas, das mich, wenn auch geringfügig, ändert, etwas, das mir eine noch nicht gedachte, noch nicht bewusste Möglichkeit der Wirklichkeit bewusst macht, eine neue Möglichkeit zu sehen, zu sprechen, zu denken, zu existieren.“ Was Peter Handke in seinem Essay „Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms“ 1967 als Leser und Autor von Literatur erwartet, gilt mutatis mutandis auch für die Predigt: Im Original steht an der Stelle der Klammer im Zitat „von einem literarischen Werk“, aber der Satz funktioniert auch so und drückt für mich perfekt aus, was ich als Predigthörer und Prediger erwarte.

(Sieh auch Ist das Feuilleton die Predigt von heute?)

Perspektive in der Predigt

“Die Sprache der Predigt ist wie alles menschliche Sprechen radikal perspektivisch”, schreibt David Buttrick. Der Satz leuchtet zwar unmittelbar ein, aber in der homiletischen Literatur taucht die Frage nach der Perspektive kaum auf. Vielleicht liegt es daran, dass die Frage nach der Perspektive vor allem im Blick auf narrative und fiktionale Texte auf der Hand liegt. Doch wenn alles Sprechen perspektivisch ist, wie Buttrick behauptet, dann gilt das eben auch für die Predigt und dann wäre die Frage zu stellen, warum denn ein Nachdenken über die Perspektivität der Predigt sich lohnen könnte.

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Notizen zu einer nicht gehaltenen Predigt

Vier Anläufe zu keiner Predigt

Für den Sonntag Okuli im Jahr 2020 habe ich vier Anläufe gebraucht, um keine Predigt zu halten. Der erste Predigtentwurf drehte sich ums Beten. In unserem besonderen PLUS-Gottesdienst sollte als musikalischer Gast der Schoenfeldt-Chor auftreten, ein Pop-Chor aus unserer Gegend, u.a. mit dem Lied „Schick dein Gebet zum Himmel“. Die Idee war mit einem Ausschnitt aus Hape Kerkelings Rede von den „Wünschen ans Universum“ über ein modernes Verständnis von Gebet nachzudenken.

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Wortspiele

Preacher-Slams scheinen gerade der „heiße Scheiß“ (Christian Binder) der Homiletik zu sein. Holger Pyka, Pfarrer in Wuppertal und selbst als Preacher-Slammer unterwegs hat nun ein Buch dazu herausgebracht: „Spiel mit dem Wort. Kreatives Schreiben für Predigt und Preacher-Slam“. Auf rund 170 Seiten skizziert Pyka knapp und pointiert, wie Preacher-Slam und Kreatives Schreiben die Predigtpraxis bereichern kann. „Wortspiele“ weiterlesen

Close Reading. Ein vereinfachtes Verfahren

„Close Reading“ ist eine Methode zum intensiven Lesen eines Textabschnitts. Im engeren Sinne entstammt „Close Reading“ der amerikanischen, literaturwissenschaftlichen Bewegung des New Criticism. Im weiteren Sinne ist Close Reading ein Werkzeug zur Textinterpretation, das einen Text zunächst einmal aus sich selbst heraus verstehen will. „Close Reading. Ein vereinfachtes Verfahren“ weiterlesen