Welche Führung wollen wir stärken – und warum? Der folgende Beitrag ist die ausformulierte Version meines Vortrags auf der KEPP in Bad Malente (Februar 2026). Ich knüpfe dabei an die Konzepte der „dunklen Triade“ der Führung (Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie) auf der einen Seite und die „hellen Triade“ (Humanismus, Kantianismus, Glaube an die menschliche Grundgüte) andererseits. Meine These, die zur Diskussion anregen sollte: Organisationale Strukturen begünstigen die dunkle Seite tendenziell von selbst. Polizeiseelsorge und Polizeiethik können gegensteuern – indem sie Krafträume öffnen, in denen Führungskräfte innehalten, reflektieren und die helle Seite ihrer Führungspraxis stärken.
„Führung stärken“ weiterlesenZeit für ein Update?
Die Konzeption der Kritischen Solidarität in der Polizeiseelsorge
Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer haben zwei Arbeitsschwerpunkte: Polizeiseelsorge und Unterricht polizeilicher Berufsethik. Ihr Verhältnis zur Polizei ist nach ihrem Selbstverständnis geprägt von Kritischer Solidarität, einer Konzeption, die aus der Militärseelsorge stammt und von Polizeipfarrer:innen adaptiert wurde. 2004 fand der Anspruch, die polizeiliche Arbeit kritisch und solidarisch zu begleiten, Eingang in die Standortbestimmung der Konferenz evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer in Deutschland (KEPP). Nach über 20 Jahren hat die KEPP sich mit der Frage befasst, ob die Konzeption noch den gegenwärtigen Anforderungen und dem eigenen Selbstverständnis entspricht. Wenn die Formel noch nützlich ist, bedarf es dann eines Updates auf eine „Kritische Solidarität 2.0“? Dies war die Leitfrage der Frühjahrstagung der KEPP, die unter dem Titel „Zauberformel oder Ladenhüter: Kritische Solidarität 2.0“ vom 10. – 14. März 2025 im Martin-Niemöller-Haus in Arnoldshain stattfand. Der folgende Text ist eine leicht überarbeitete Version meines Einführungsvortrags.
„Zeit für ein Update?“ weiterlesenEine Frage der Neutralität
Zu führungsethischen Konsequenzen für die Polizei im Zusammenhang mit Klimaprotesten
Abstract: Klimaproteste sind Ausdruck und Verstärker gesellschaftlicher Konflikte. Das hat berufs- und führungsethische Konsequenzen für die Arbeit der Polizei. Ausgehend von der ethischen Komplexität des Klimawandels und der Klimagerechtigkeitsbewegung wird dargelegt, dass Proteste einerseits die demokratische Teilhabe fördern, andererseits jedoch Rechtsgüter Dritter beeinträchtigen können. Dies führt in ein Spannungsfeld zwischen Versammlungsfreiheit, Gefahrenabwehr und Strafverfolgung, innerhalb dessen die Polizei agieren muss. Im Fokus der Überlegungen steht die Frage, inwiefern eine Polizei, die zur Neutralität verpflichtet ist, jedoch selbst von den Konflikten betroffen ist, überhaupt neutral agieren kann. Anhand von Konzepten wie „Protest Policing“, dem Einsatz von Gewalt, einer vertrauensbasierten Organisation und dem polizeilichen Führungsmodell wird herausgearbeitet, dass eine Ethik der Neutralität neutrales Handeln allenfalls als regulative Idee verstehen kann. Führungsethisch gesehen ergibt sich daraus die Aufgabe, Reflexionsräume für die moralische Urteilskraft, transparente Güterabwägungen, professionelle Deeskalationskommunikation und dialogisch-diskursive Entscheidungsverfahren zu etablieren. Polizeiliches Handeln steht deshalb vor der Herausforderung, eine verantwortungsbewusste Balance herzustellen zwischen dem rechtlichen Auftrag, moralischen Grundsätzen und den Rechten von Betroffenen.
(Entwurf für einen Vortrag im Rahmen der Bewerbung auf die Polizeipfarrstelle vom Januar 2024. Leicht überarbeitet und Literaturverzeichnis für den Blogbeitrag aktualisiert im Dezember 2025.)
„Eine Frage der Neutralität“ weiterlesenDem Guten nachjagen
Zu einem Einführungsgottesdienst von Pfarrer:innen gehört, dass der oder die Eingeführte die Predigt hält. Am 23. Januar 2025 wurde ich in einem Gottesdienst in der Friedenskirche in Münster offiziell in meine Polizei-Pfarrstelle eingeführt. Die Stelle als Polizeipfarrer hatte ich am 1. August 2024 angetreten (siehe Neue Perspektiven). Meine Aufgaben sind zum einen, im Auftrag der EKD „Ethik im Polizeiberuf“ an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster-Hiltrup zu unterrichten und zum anderen für die EKvW am „Zentrum für Ethische Bildung und Seelsorge“ (ZeBuS) am LAFP der Polizei NRW mitzuarbeiten. Hier die ausformulierte Fassung meiner Predigt.
„Dem Guten nachjagen“ weiterlesenNeue Perspektiven
Bilanz nach 20 Jahren homilia.de
Für homilia.de plane ich eine kleine Veränderung. Das hat mit einem Stellenwechsel und damit verbundenem, veränderten Aufgabengebiet zu tun. Was ist neu? Was wird anders?
„Neue Perspektiven“ weiterlesenGroße Erwartungen
Der Waisenjunge Pip wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Weil Miss Havisham einen Spielgefährten für ihre Adoptivtocher Estella sucht, kommt Pip in das Haus der wohlhabenden Dame. Pip verliebt sich in Estella, hat aber als armes Waisenkind keine Chance. Da taucht ein unbekannter Wohltäter auf, der Pip eine gute Erziehung in London finanziert und für die Zukunft ein großes Vermögen verheißt. Pip denkt, dass Miss Havisham die Wohltäterin ist, um Pip in die Lage zu versetzen, Estella einmal heiraten zu können. Aber Pip irrt. Am Ende platzen die hochfliegenden Träume. Das ist der Stoff von Charles Dickens Roman „Große Erwartungen“.
„Große Erwartungen“ weiterlesen