Mini-Knigge – Regel 3: Sich Einleitungsformeln aneignen

Eigne dir Ein- und Überleitungsformeln an. Manche liturgischen Teile müssen eingeleitet werden, vor allem, um eine liturgisch nicht routinierte Gemeinde auf dem Weg durch den Gottesdienst mit zu nehmen. Dabei bewegen sich Liturgen zwischen zwei Extremen: Liturgischer Purismus auf der einen und geschwätziger Moderatorenstil auf der anderen Seite. Natürlich muss nicht jeder Schritt eingeleitet werden. Kennzeichen für die Notwendigkeit einer Einleitung- oder Übergangsformel ist, wenn man im liturgischen Vollzug merkt, dass man selbst oder die Gemeinde immer an der gleichen Stelle hakt und stolpert. Hier gilt es, sich bewusst Formeln anzugewöhnen, die kurz und nicht zu floskelhaft den nächsten liturgischen Schritt einleiten.

Typisches Beispiel ist die Einleitung des Glaubensbekenntnisses nach der Lesung oder die Einleitung des Vaterunsers nach der Fürbitte. Kurze Einleitungsformeln könnten sein: „Wir sprechen miteinander das Glaubensbekenntnis“ oder (falls die Gemeinde bei der Lesung sitzt) „Zum Glaubensbekenntnis bitte ich Sie aufzustehen.“ Zwar meinen liturgische Puristen, solche Regieanweisungen gehörten nicht zum Gottesdienst, aber erstens gewinnen nicht routinierte Gottesdienstbesucher aus klaren Hinweisen Sicherheit beim Mitfeiern des Gottesdienstes. Und zweitens ist es besser, zu sagen, welche Handlungen der Liturg von der Gemeinde erwartet, statt beispielsweise mit der Kladde das Aufstehen und Hinsetzen zu signalisieren. Der Moderatorenstil auf der anderen Seite will in oft launig-lockerer Form „durch den Gottesdienst führen“ und gerät dabei leicht ins unkontrollierte Plaudern. Sich bewusst zu überlegen, welche Ein- und Überleitungsformeln man verwendet, hilft, einen Moderatorenstil ad hoc zu vermeiden.

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Mini-Knigge – Regel 2: Auswendig sprechen

Lerne wichtige Texte und liturgische Blocks auswendig. Der Gottesdienst lebt als gemeinsame Feier davon, dass Liturgen und Gemeinde miteinander kommunizieren. Hilfreich für das Gelingen liturgischer Kommunikation ist, wenn liturgische Texte auswendig gesprochen und nicht abgelesen werden, denn dann können Liturgen die Gemeinde ansehen, wenn sie sie ansprechen. Selbst wenn es nicht um im Wechsel gesprochene, liturgische Texte geht, ist das auswendig sprechen Können gut und wichtig. Die Gottesdienstkladde sollte nicht zum Messbuch werden. Nur Gebetstexte und Lesungen können tatsächlich abgelesen werden, weil hier ein kommunikatives Aufblicken in die Gemeinde fehl am Platz ist.

Was Liturginnen und Liturgen auch ohne Kladde auswendig sprechen können sollten, kann sich beispielhaft daran orientieren, was auch Konfirmandinnen und Konfirmanden auswendig lernen müssen: Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Gloria Patri, Gloria in excelsis und Einsetzungsworte. Auch ganze liturgische Blöcke sollten kladdenfrei präsent sein. Mit „liturgischen Blöcken“ sind zusammenhängende, liturgische Schritte gemeint, die je nach Gemeinde unterschiedlich sein können. So kann der Einleitungsblock zum Beispiel die Abfolge sein von Votum zur Eröffnung, Gruß, Psalm und Gloria Patri. Und natürlich müssten Liturginnen und Liturgen schließlich den Blick von der Kladde auch wirklich lösen und auswendig mit Blick in die Gemeinde sprechen – insbesondere, wenn es um Wechselrede oder direkte Ansprache geht.

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Mini-Knigge – Regel 1: Einfache und klare Sprache

Verwende eine einfache und klare Sprache. Ganz gleich ob es sich um Gebete, informelle Redeteile oder die Predigt handelt: Die Sprache sollte so einfach und klar wie möglich sein. Das bedeutet zum Beispiel auf Füllwörter, Floskeln und Kirchendeutsch zu verzichten. Ein gutes Kontrollmittel bei ausformulierten Sätzen ist, möglichst kurze Sätze zu formulieren.

Beispiel Kirchendeutsch: Es klingt (ich übertreibe) etwa so: „Ich lade sie herzlich ein aufzustehen und alles das, was uns auf dem Herzen liegt mit hinein zu nehmen in das Gebet, das Jesus einst seine Jünger lehrte und das Christinnen und Christen auf der ganzen Welt bis heute sprechen.“ Einfacher und klarer könnte es lauten: „Ich bitte Sie aufzustehen und in das Vaterunser mit einzustimmen.“ Kirchendeutsch ist ein Sprachstil, der nur in der Kirche begegnet. Ein weiteres typisches Beispiel: „Ich begrüße Sie mit dem Wochenspruch aus Lukas …“ Nirgendwo im normalen Leben wird mit Zitaten begrüßt.

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Liturgischer Mini-Knigge

Auf welche einfachen Grundsätze kann ich mein liturgisches Handeln zurückführen? – Diese Frage habe ich mir vor einem Treffen mit Prädikanten gestellt. Der Prädikantenkonvent hatte sich als Thema Guy Rammenzweigs Liturgischen Knigge aus dem Anhang zum Gottesdienstbuch gewünscht. Beim Lesen habe ich mich gefragt: Ist das tatsächlich auch meine Erfahrung? Rammenzweigs Überlegungen regen zweifellos dazu an, den ganzen Katalog liturgischen Redens und Handelns zu reflektieren. Trotzdem ist mir vieles zu gesetzlich, steif und hochliturgisch (Alexander Seidel hat zu einigen Punkten ganz treffende Nebenbemerkungen gemacht [Link]). So habe ich versucht, meine eigenen zehn Grundsätze knapp als Ratschläge zu notieren – fünf Regeln zum Sprechen, fünf Regel für das weitere Handeln:

1. Verwende eine einfache und klare Sprache.
2. Lerne wichtige Texte und liturgische Blocks auswendig.
3. Eigne dir Ein- und Überleitungsformeln an.
4. Mach genügend Sprechpausen.
5. Vermeide Rechtfertigungen und Selbsterklärungen.

6. Verwende einfache und klare Gesten.
7. Reduziere Auf- und Abtritte auf ein Minimum.
8. Suche und halte Augenkontakt.
9. Triff Entscheidungen und steh dazu.
10. Fehler und Pannen sind normal.

Ich will in den nächsten Tagen/Wochen (je nachdem, wie ich dazu kommen) jeden Gedanken einmal kurz erläutern.

Cartoonale Homiletik

Eine Predigt-Mindmap„Schreib doch mal eine cartoonale Homiletik, über die allmähliche Formulierung der Gedanken beim Zeichnen“, hat Silke vorgeschlagen. Eine schöne Idee. Hätte ich doch mehr Zeit. Das Bild oben zeigt einen Predigtentwurf zu Hiob 14,1-6 – mal gestaltet mit Aquarellfarben, inspiriert von den Überlegungen von Susanne Haun.

Quelle: Redline Verlag http://www.m-vg.de

Wenn es eine cartoonale Homiletik gäbe, sähe sie wahrscheintlich ein bisschen so aus wie Dan Roams „Auf der Serviette erklärt“ (Redline Verlag, München 2009). Das Buch hat zwar weder was mit Homiletik noch mit Cartoons zu tun, aber es demonstriert sehr schön, wie visuelles Denken funktioniert. Es zielt dabei auf grafisches Gestalten bei Vorträgen ab, aber die Grundprinzipien lassen sich auch für die Predigtvorbereitung nutzen.

Dan Roams Grundprinzip ist, das „innere Sehvermögen zu nutzen, …, um Ideen zu entdecken, die sonst unsichtbar sind“ (S.14). Es geht dabei nicht um einen künstlerischen Anspruch, sondern um das Nutzen der Kraft von Bildern, um Ideen so zu entwickeln, dass sie auch anderen schnell und einfach einleuchten.

Ich fand das Buch sehr inspirierend nicht nur für die Predigtvorbereitung, sondern auch für den Einsatz von zeichnendem Erklären und Erläutern im Konfirmandenunterricht und der Erwachsenenbildung. Mittlerweile ist zu dem Buch auch ein Übungsbuch erschienen.

Twitter und homilia

Sarah Lazarovic hatte vielleicht eine schlechte Woche, sagt sie. Aber sie bilanziert über Twitter ernüchtert, es bestehe aus lauter unlustigen Leuten, die versuchen lustig zu sein. In einer wunderbaren Grafik fasst sie ihren Eindruck zusammen:

Woraus Twitter besteht
Sarah Lazarovic kommentiert in einem Cartoon, was Twitter ausmacht

Der Cartoon passt zu einer Frage, die ich mir gerade stelle: Wozu nützt Twitter? Die Frage habe ich mir vor rund einem Jahr schon mal gestellt: Auf der einen Seite habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, kleine Meldungen und Hinweise zu bloggen, ohne das Gefühl zu haben, daraus einen Artikel machen zu müssen. Auf der anderen Seite hat mich interessiert, was andere daran interessiert. Jetzt kann ich mich ein Fazit ziehen: Bezogen auf das, was mich interessiert, was ich mache und wie ich kommuniziere, nützt Twitter nur sehr begrenzt was.

1. Der größte Teil der Nachrichten interessiert mich einfach nicht. Es ist allenfalls die Schwanzspitze, die relevant ist. Ich will nicht wissen, wann jemand aufgestanden ist, wo er sich gerade befindet und was ihm grad durch den Kopf geschossen ist, bloss weil ich seine Interessen bezüglich Homiletik oder kreatives Schreiben teile. In Woody Allens Film „To Rome with love“ gibt es die schöne Episode um den kleinen Angestellten Leopoldo, der im Betrieb allen Leute damit auf die Nerven geht, dass er zu allem und jedem seine unmaßgebliche Meinung hinaus posaunt – bis sich eines Morgens die Medienmaschinerie auf ihn fixiert und diese Meinungen wie wichtige Meldungen in die Welt hinaus posaunt. Harald Martenstein hat sich in seiner ZEIT-Kolumne neulich gefragt, worum man dieses ganze Zeug auf den bunten Seiten der Tageszeitung eigentlich liest. Twitter scheint mir an vielen Punkten nichts anderes zu sein als eine filterlose Nachrichtenseite „Aus aller Welt“. Es gibt die Möglichkeit, über Listen einen Filter auf die Seiten zu setzen, die reine Informationen enthalten und wo niemand seine privaten Infos twittert. Wozu dann aber den anderen noch folgen?

2. Meine Arbeit  bringt Twitter nicht weiter – weder in meinem pastoralen Dienst noch in meinen Interessen Schreiben, Theologie und Homiletik sowie Philosophie. Natürlich gibt es auch bei Twitter eine Reihe von wichtigen Nachrichten, aber auf die meisten stoße ich schon in den RSS-Feeds der Blogs, die ich verfolge. Einige Twitter-User habe ich schon allein deshalb die Gefolgschaft aufgekündigt, weil sie ihre Artikel auf allen Kanälen senden: im Blog, per Twitter, Facebook und Newsletter. Nachdem ich mittlerweile fast alle Newsletter abbestellt habe, werde ich das bei Twitter nun auch tun. Nach einen Jahr Twitter muss ich feststellen: Wichtige Informationen, die ich nicht auch anders bekommen hätte, habe ich bei Twitter nicht erhalten. Es ist einfach nur ein weiterer Kanal, der sendet und meine Aufmerksamkeit verlangt. Schade ist es um ein paar schöne Aphorismen, die manche Twitter-User in 140 Zeichen bringen. Aber es ist mühsam und zeitraubend, sie in dem Wust an überflüssigen Tweets zu finden.

3. Ich kommuniziere offenbar anders als typische Twitter-User. Viele User kommunizieren direkt via „@“ – aber die Leute, mit denen ich in Kontakt stehe, nutzen Twitter nicht: weder Konfis noch Gemeindeglieder noch Kollegen noch Freunde. Meine direkte Kommunikation erfolgt über Mails, Facebook, WhatsApp und SMS. Auch Blog-Leser schreiben mir am ehesten eine E-Mail. Was mich an Twitter stört ist, dass jeder Satz permanent öffentlich ist. Deshalb ist Twitter auch kein WhatsApp oder SMS-Ersatz. Auch als Microblogging nützt mir Twitter nur begrenzt: Was ich sagen will, ist meist länger als 140 Zeichen. Ich habe nicht dauernd etwas zu sagen, aber wenn, dann will ich nicht nur eine Meinung äußern, sondern auch eine Begründung mitliefern. Twitter ist eher ein Medium der bloßen Doxa als der Argumentation.

Auf der anderen Seite sehe ich auch Vorteile: Wenn mein Hoster Probleme zu haben scheint, erfahre ich sehr schnell, ob es anderen auch so geht und ob an dem Problem gearbeite wird. Auch der schnelle Kontakt mit Hotlines ist möglich. Und zu manchen aktuellen Stichworten findet man eine Reihe spontaner Statements, die durchaus inspirierend sein können. Twitter ist ausserdem ein nettes Notizbuch: Kurzer Einfall, netter Link, schönes Zitat – schnell versendet, damit ich es selbst später wiederfinde.

Da ich nun auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten möchte, werde ich etwas umstrukturieren und weiter experimentieren – vielleicht für ein Jahr. Erstmal trenne ich homilia-Belange von privaten Dingen: Dazu habe ich mir einen zweiten Twitter-Account angelegt. Weil Twitter selbst das Anlegen mehrerer Accounts nicht unterstützt, verwende ich yoono um beide Accounts im Blick zu behalten. Und dann kündige ich allen die Gefolgschaft, die dauernd Sachen twittern, die mich nicht interessieren. Im Gegenzug werde ich natürlich die meisten meiner weniger Follower verlieren, weil bei Twitter eine „Folgst-du-mir-folg-ich-dir“-Mentalität herrscht. Was soll’s. Auf der homilia-Seite dient die TwitterApp als Mini-Blog und Notizbuch zum Thema Predigen, Schreiben und Kreativität. Das Prinzip wird dabei sein: Ich twittere auf diesem Kanal nur, was mich selbst als Tweet interessieren würden.

Cluster und Mindmap als Zeichnungen

Die Künsterlerin Susanne Haun denkt ihrem Blog über die Verbindung von Mindmaps und Kunst nach – und hat in dem Zusammenhang Aquarell-Mindmaps veröffentlicht. Ein interessantes Projekt, auch wenn Nicht-Künstler sicher einen anderen Anspruch an ihre Mindmap stellen. Aber schon bei Tony Buzan finden sich Beispiele für die Verschränkung von Kunst und Mindmap. Die künsterlerische Darstellung hat dabei aber keinen Selbstzweck, sondern dient dazu Impulse zu geben und Assoziationen zu wecken (vgl. Mindmap).

In meiner Praxis verschränken sich Clustermethode und Mindmap zu einem kreativen Spielfeld, auf dem ich Ideen ausprobieren kann. Manchmal sogar, wie bei der Vorbereitung der heutigen Predigt, mit kleinen Skizzen:

Predigtskizze "Weltuntergang? Nicht schon wieder!"Das ist keine Mindmap im strengen Sinne, sondern eher ein Cluster mit graphischen Elementen. Als Predigtskript wäre das natürlich zu verworren. Es ist die Grundlage für die Ausarbeitung einer Predigt – und sei es, dass die Stichworte zur in eine schnell aufnehmbare Reihenfolge gebracht würden. Die vier Predigtteile sind aber klar zu erkennen.

In den meisten Fällen bleibt es bei sprachlichen Skizzen, wie hier, wo der Übergang vom Cluster zum Schreiben sichtbar wird:

Predigtcluster zu WundergeschichtenSo ein Cluster ist bloß ein Sprungbrett, um ins Schreiben zu kommen: Zusammenhänge werden zu einem Versuchsnetz geknüpft, aus dem irgendwann erste Ideen, Sätze, Thesen entstehen. Mit so einem Cluster kann niemand etwas anfangen als der Schreibende selbst. Schon nach kurzer Zeit wird es aber auch für den Autor schwierig, die alten Verknüpfungen und Zusammenhänge wieder zu entdecken. Das Cluster dient nur für den Augenblick.

Eine Mindmap kann dagegen durchaus auch von anderen verstanden und vom Autor auch später noch einmal verwendet werden. Richtige Mindmaps entstehen bei mir erst ganz am Ende, zum Beispiel als Stichwortzettel wie bei diesem Predigtcluster zu einer Pfingstzeltlager-Predigt in Verbindung mit der Daniel-Geschichte:

Predigt-Mindmap zur einer PfingstpredigtZwar fehlen Zeichnungen, aber es gibt farbige Kennzeichnungen und graphische Elemente, die als nächsten Schritt auch abbildende Elemente enthalten könnten.

Anfangen muss man selbst

Boris Maggionis Sachbuch „Romane schreiben für Anfänger und Fortgeschrittene“ hält in zweifacher Weise nicht, was der Titel verspricht: Es ist kein Buch für Fortgeschrittene und sagt nur begrenzt etwas über das Schreiben von Romanen. Wer einen Kindle besitzt und sich für als Neuling für das Schreiben von Geschichten interessiert findet hier aber eine günstige Einführung.

„Anfangen muss man selbst“ weiterlesen

Nicht wirklich spannend

Buchcover

Eine „Methodenlehre der Spannung“ verspricht Herausgeber Hanns-Josef Ortheil in seinem Vorwort zu Christian Schärfs „Spannend schreiben“. Der Untertitel verrät: Im fünften Band der DUDEN-Reihe „Kreatives Schreiben“ geht es um Krimis, Mord- und Schauerromane. Charakteristisch für die ganze Buch-Reihe ist der Versuch, in die Schreibwerkstätten ausgewählter Schriftsteller zu führen, um dort Anregungen für das eigene Schreiben zu bekommen. Das hatte bislang durchaus seinen Charme, tendiert in „Spannend schreiben“ aber stark zu einem germanistischen Proseminar. Auch wenn bei Schärf einige interessante Überlegungen zu finden sind – gemessen an dem Versprechen, eine „Methodenlehre der Spannung“ vorzulegen, muss das Buch enttäuschen.

Schärf nähert sich dem Begriff der Spannung auf rezeptionsästhetische Weise: Statt zu versuchen, einen allgemeinen Begriff von Spannung vorzulegen, schlägt Schärf vor, Spannung zu verstehen als „ein Phänomen, das zwischen den Akten der Herstellung eines Textes einerseits und seiner Wahrnehmung bei Lesern andererseits liegt“ (S. 10). Das Kapitel über die „Erschaffung des Lesers“ (S.119ff) gehört daher zu den interessantesten Abschnitten des Buchs. Die Kunstfertigkeit des Krimi-Autors liegt für Schärf letztlich nicht in der Verwendung literarischer Tricks der Spannungserzeugung, sondern in der „Einbindung des Lesers in die Aufklärungsarbeit“ (S. 121). Das wichtigste Instrument ist dabei die „Aussparung“ (S. 12) und die „Zurückhaltung von Information“ (S. 121): „Was wir als ‚spannend schreiben’ bezeichnen, hängt davon ab, inwieweit es dem Autor gelingt, einen Leser zu schaffen, der seine eigenen Projektionen und Hypothesen auf die Handlung bezieht und damit eine Identifikation mit dem Verbrechen und seiner Vor- und Nachgeschichte herstellt.“ (S. 123)

Das Phänomen Spannung äußert sich darin, dass ein spannender Text die Aufmerksamkeit des Lesers bindet. Das geschieht nicht einfach so: Solche „Spannung muss … erzeugt werden“ (S. 11), und zwar indem der Stoff, aus dem eine Geschichte besteht, dramatisiert wird. Das gelingt am einfachsten dadurch, dass der Autor Informationen zurück hält. Im Englischen steht dafür der Begriff der Suspense, den Schärf nicht ganz zutreffend als „Aufschub“ übersetzt.  ‚To keep somebody in suspense’  bedeutet aber eher, jemanden in Ungewissen lassen bzw. auf die Folter zu spannen – in diesem Fall: den Leser. Auch wenn Schärf sich etwas unklar ausdrückt, meint er aber genau das.

Die Kernfrage ist dann also, wie es einem Autor gelingt, seinen Leser dazu zu bringen, sich auf die Folter spannen zu lassen. Auf diese Frage sollte eine Methodenlehre der Spannung Antwort geben – und genau hier setzt die Enttäuschung über das Buch ein: Auch wenn es durchaus gute methodische Hinweise gibt, mangelt es doch an einer systematischen Entfaltung. Das liegt meines Erachtens vor allem an Schärfs Grundannahmen und der  Grundkonzeption des Buches.

Zweifellos interessant sind die Hinweise zum dem, was Schärf „Antizipation der Bedrohung“ (S. 20) nennt und die Überlegungen zur „Gestaltung von Zonen der Angst“ (S. 46). Es ist konstitutiv für die Angst im Unterschied zur Furcht, dass sich die Angst auf eine mögliche Bedrohung richtet. Diese Bedrohung anzudeuten, ihre Konkretion aber zu verzögern, schafft eine spannungsvolle Atmosphäre, die schrittweise aufzubauen ist: im einem zunächst gefahrlosen Raum gibt es erste Anzeichen einer Bedrohung, dies sich erst allmählich manifestiert und sich schließlich als echte Gefahr zeigt: im Schauerroman als übermenschliche Bedrohung, im Kriminalroman als unmenschliche. Die diffuse Angst schlägt in Frucht und Grauen um. Ein wichtiges Mittel ist dabei die Darstellung der Orte und Rahmenbedingungen als „Angstzonen“. Beides kann man sich sehr gut am Beispiel eines Films wie „Alien“ deutlich machen: in dem Science-Fiction-Film ist das Alien im überwiegenden Teil des Filmes gar nicht zu sehen; zur klaustrophobischen Atmosphäre trägt vor allem die Darstellung des Raumschiffs bei. Christian Schärf führt die klassische Verwendung dieser Stilmittel an Beispielen von Edgar Allan Poe, Bram Stoker und E.T.A. Hoffmann vor.

Die Grundannahme jedoch, dass das Phänomen der Spannung „keine empirisch zu bestimmende materielle Basis aufweist“ (S. 10) führt Schärf zu einer (durchaus begründeten) Skepsis gegenüber Patentrezepten der Spannung. Schärfs These von der Erschaffung des Lesers hebt ja zu Recht hervor, dass nicht jeder Leser sich von einem Text gefangen nehmen und auf die Folter spannen lässt. Der Autor kann im Einsatz seiner Spannungsmittel scheitern. Deshalb aber zum Beispiel ein beliebtes Mittel wie cliffhanger  nur begrifflich zu erwähnen (vgl. S. 119), ohne das Mittel selbst vorzustellen, ist ein Manko. Ja, der übermäßige Gebrauch der Methode, ein Kapitel auf dem Höhepunkt der Spannung abzubrechen und verzögert fortzusetzen, ist auf Dauer einfallslos und ermüdet bald. Das zeigen zum Beispiel die Romane von Dan Brown, die fast nur mit diesem Mittel arbeiten. Trotzdem haben die Bücher ein Millionenpublikum gefesselt. Wer Alwin Fills sprachwissenschaftliche Analyse „Das Prinzip Spannung“ liest, wird auf eine verwirrende Vielzahl von empirisch bestimmbaren Elementen der Spannung auf allen Ebenen der Sprache stoßen: Kein Element muss, aber jedes einzelne kann Spannung erzeugen. Für eine Methodenlehre der Spannung wäre es eigentlich notwendig, die für die Praxis des kreativen Schreibens relevantesten Aspekte darzustellen. Das kommt in Schärfs Buch zu kurz.

Auch die Grundkonzeption mündet letztlich in eine Enttäuschung. Christian Schärf bezieht spannendes Schreiben ausschließlich auf Schauer- und Kriminalgeschichten. Seine plausibel ausgeführte These ist, dass sich der moderne Kriminalroman aus der  gothic novel des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Den Prozess dieser Entwicklung zeichnet er nach, indem er zunächst Grundelemente der Angstspannung in der Schauerliteratur darstellt, und dann über die Erfindung der Detektivfigur und der Rätselspannung zu zeitgenössischen Thrillern gelangt. Schärfs Analysen sind interessant zu lesen und im Detail durchaus aufschlussreich. Spannend schreiben bedeutet aber mehr als Krimis zu schreiben. Auch ein Liebesroman lebt von der Spannung der Ungewissheit, ob sich die beiden am Schluss kriegen oder nicht. Das kann spannend sein „wie ein Krimi“. Auch mein „Alien“-Beispiel zeigt: Spannung gibt es nicht nur im Krimi. Es spricht natürlich nichts dagegen, Spannungsliteratur vorwiegend auf den Kriminalroman zu beziehen und exemplarisch vorzuführen. Eine Methodenlehre des spannenden Schreibens sollte aber ansetzen bei der allgemeineren Frage, welche erzählerischen Mittel zur Spannung einer Geschichte beitragen.

Wer nun wiederum denkt, er bekäme zumindest Hinweise zur Konstruktion einer Kriminalgeschichte wird ebenfalls enttäuscht sein. Im Kapitel zum Plotting (S. 92ff) findet man gerade keine Methoden zur Herstellung eines Plots, also eine Handlungslinie, sondern nur die Entfaltung zweier spezifischer Plotstrukturen: der Reise und des Wettstreits. Die Überlegungen zum Krimi als Reise in eine labyrinthische Struktur, die der Detektiv erkunden und entwirren muss (wie im klassischen Detektivroman) und der Krimi als Wettstreit zwischen Täter und Ermittler (etwa im Genre der Serienmördergeschichten) sind kenntnisreich geschrieben und interessant zu lesen. Auf die entscheidende Frage, wie man ein kriminalistisches Rätsel und Labyrinth entwirft, in das man Detektiv und Leser dann schickt, gibt Schärf aber keine Antwort.

Da helfen auch die Schreibaufgaben nicht weiter. Sie fordern zuweilen im Stile von schulischen Klausuraufgaben zur Analyse klassischer Texte auf oder ermuntern zur Imitation eines Stils bzw. die Verfassung von Pastichen. Im Unterschied zu früheren Bänden der DUDEN-Reihe finden sich in den Schreibaufgaben aber kaum methodische Bündelungen von Schreibverfahren exemplarisch vorgestellter Autoren.

Fazit: Eine „Methodenlehre der Spannung“ ist Christian Schärfs Buch „Spannend schreiben“ also nicht. Die Ausführungen sind zwar informativ und die Analysen können überzeugen, aber es fehlen grundsätzliche Überlegungen zu dem, was Texte und Geschichten – jenseits von Krimi und Grusel – spannend macht.  Andererseits bietet das Buch auch kein spezifisches Handwerkzeugs zum Entwickeln eines Krimi-Plots. Die Stärken des Buches liegen darum eher in der Reflexion auf einige Grundlagen der klassischen Kriminalliteratur, weniger in der praktischen Anregung zum kreativ-spannenden Schreiben. Obwohl die als „Schreibverführer“ beworbenen Bücher gerade das versprechen. „Spannend schreiben“ löst dieses Versprechen nicht ein.

Christian Schärf: Spannend schreiben. Krimi, Mord- und Schauergeschichten, , 1. Aufl. Bibliographisches Institut, Mannheim, 2012. ISBN 978-3-411-75436-6| 14,95 € | 157 S.

Etwas zu einfach

„So wie ihr wollt, dass euch Gottes Wort verkündigt wird, so verkündigt es auch!“, formuliert Christian Lehmann seinen homiletischen Imperativ (S. 145). Für Lehmann heißt das auf den Punkt gebracht: liebevoll, praktisch und kreativ zu predigen. Sein Buch „Einfach von Gott reden“ enthält dazu neben grundsätzlichen, theologischen Erwägungen zur Predigt und Überlegungen zur Predigtpraxis eine Reihe von Übungen mit Lösungsvorschlägen, auf die aus dem Hauptteil heraus verwiesen wird. Heraus kommt am Ende ein praxisorientiertes Arbeitsbuch zur Predigt, das allerdings nur mit Einschränkung zu empfehlen ist.

„Einfach von Gott reden“ ist durch einen pietistischen Jargon geprägt, dessen altertümelnder Sprachstil zuweilen fragen lässt, ob das Buch vielleicht die Neuausgabe einer älteren Auflage ist. Tatsächlich ist das Arbeitsbuch aber 2012 erstmals erschienen. Der Autor Christian Lehmann stammt ursprünglich aus dem Siegerland, war bis 2010 Studienassistent am Tübinger Albrecht-Bengel-Haus und hat vor kurzem seine erste Pfarrstelle in der Württembergischen Landeskirche angetreten. Seit 2011 ist er zudem Schriftleiter von „Zuversicht und Stärke“, einer Predigthilfe aus der pietistischen „Christusbewegung Lebendige Gemeinde“. Auch wenn Lehmann vor der Predigt in der „Sprache Kanaans“ warnt (S. 65f): Sein Predigtbuch ist davon selbst davon nicht frei. Wer nicht in diesem Jargon zu Hause ist, kann leicht darüber stolpern.

Lehmanns Ansatz ist zunächst einmal sympathisch: Gegen langweilige und blutleere Predigten ist es ihm wichtig „die biblische Botschaft frisch und mutig, klug und klar, lebensrelevant und alltagstauglich weiterzugeben“ (S. 11). Dabei geht er „von der einfachen Grundidee aus, dass die Bibel als Gottes Wort uns nicht nur lehrt, was wir weiterzusagen haben, sondern auch, wie wir das am besten tun“ (ebd.). Deshalb gilt Lehmann auch die Bibel als erstes, kreatives Hilfsmittel (vgl. S. 170f): „Unsere Aufgabe als Verkündiger besteht darin, mit dem Bibeltext zu sprechen, nicht über ihn.“ (S. 65)

Liebevoll predigen heißt für Lehmann, einfach (S. 101ff), verständlich (116ff) und anschaulich (S. 123ff) zu reden. Maßstab sind dabei die Hörerinnen und Hörer. Sie sollen Glauben nicht nur intellektuell verstehen, sondern vor allem praktisch und konkret erfahren – jenseits aller Gesetzlichkeit, die im Tun des Glaubens immer nur ein „Du sollst …“ sieht. Dem stellt Lehmann „Wie-Fragen“ des Glaubens gegenüber: „Wie sind wir gute Eltern, …besiege ich meine Angst, … liebe ich meinen Nachbarn …?“ (vgl. S. 161). Wenn Predigt auf solche konkreten Fragen praktische Antwort gibt, erfüllt sie ihre wichtige Aufgabe, Menschen von heute zu sagen, wie christlicher Glaube praktisch aussieht. Dabei stützt sich Lehmann auf eine Theologie der Vollmacht (S. 44ff), die es ihm ermöglicht, trotz der These, dass alles aktuelle, menschliche Reden von Gott begrenzt ist, dennoch davon auszugehen, dass ein verlässliches und wirkmächtiges Reden von Gott in der Predigt möglich ist.

Lehmanns Anspruch ist ein praktisch orientiertes Buch vorzulegen, kein Lehrbuch der Predigt. Von daher überrascht es allerdings, dass die konkreten Arbeitsschritte der Predigterstellung vage und zum Teil bloß idealistisch bleiben. So gilt für Lehmann die unbestreitbar richtige Faustregel „je mehr Zeit, desto besser“. Was das aber im Pfarralltag bedeutet, lässt Lehmann offen. Er watscht die Pfarrer ab, die offen zugeben, oft unter Zeitdruck vorbereiten zu müssen und präsentiert idealisierend zwei evangelikale Star-Prediger, die nach eigenen Angaben zwei bis vier (!) ganze Tage der Predigtvorbereitung widmen (vgl. S. 38). Jenseits von der Frage, ob das überhaupt realistisch ist, stellt sich zumindest für den Pfarrberuf die Frage, ob so ein Ziel tatsächlich ideal ist.

Die konkrete Predigtvorbereitung geschieht bei Lehmann im Dreischritt von Hören, Ringen und Prüfen. Dazu gibt Lehmann dem Leser zwar eine Reihe von Reflexionsfragen zur Predigtarbeit an die Hand, aber als wirkliches Modell der Predigtvorbereitung bleibt vieles zu unkonkret. Im praktischen Hauptteil gibt es vereinzelte Überlegungen zu Predigtsprache und -aufbau, ein systematisches Modell lässt sich aber nicht erkennen. Lehmann verharrt ganz in der alten Punkte-Predigt und nimmt zum Beispiel Impulse der New Homiletik schlicht nicht zur Kenntnis. Dabei könnte auch die pietistische Predigt durchaus von neuen, homiletischen Ideen profitieren.

Problematisch ist aber vor allem das hermeneutische Textmodell, das dem Ansatz zugrunde liegt. Diese Problematik kommt in Lehmanns Interpretation des homiletischen Dreiecks (S. 94f) besonders gut zum Ausdruck. Zunächst fällt auf, dass in Lehmanns Dreieck „Prediger“ und „Hörer“ nicht mit „Bibeltext“ in Verbindung gesetzt, sondern durch die Schreibweise „Gott/Bibeltext“ Gott und Bibeltext quasi gleichsetzt werden. Expressis verbis: „Wer nicht die ganze Heilige Schrift als Wort des lebendigen Gottes anerkennen will, der bestreitet letztlich ihre ganze Gültigkeit und Autorität.“ (S. 140). Verkündigung ist vor diesem Hintergrund immer nur aktualisierende Rede der einmaligen und grundsätzlichen Rede Gottes im biblischen Text. Das ist vor dem pietistischen Hintergrund Lehmanns nachvollziehbar, dürfte aber zuweilen die Geduld historisch-kritisch geschulter Predigerinnen und Prediger strapazieren. Aber die sind wahrscheinlich auch nicht Zielgruppe von „Einfach von Gott reden“.

Schwieriger ist aber ein zweites Problem, das in Lehmanns Interpretation des homiletischen Dreiecks sichtbar wird: Lehmann reflektiert nur mangelhaft die Rolle des Predigers im Predigtgeschehen. Der Prediger steht nach Lehmann vor der Herausforderung „die Hörenden in der konkreten Situation mit Gottes Wort in Verbindung“ zu bringen (S. 96). Es ist positiv zu würdigen, wie sehr Lehmann die Rolle der Hörerinnen und Hörer im Predigtgeschehen wahrnimmt. Trotzdem fällt auf, dass das Kapitel über die Hörer (S. 94ff) vor allem ein Kapitel über den „liebevollen“ Umgang des Predigers mit den Hörern ist. Ich meine das nicht ironisch: Lehmann grenzt sich ausdrücklich von einem pietistisch-evangelikalen Predigtstil ab, der die Hörerinnen „senkrecht von oben“ mit dem Gotteswort konfrontiert. Aber er sieht die Aufgabe des Predigers darin, den Menschen dieses Gotteswort zu bringen und zu sagen. Ausdrücklich versteht Lehmann den Prediger als „Worttransporter“ (S. 65), der „den alten Inhalt der Bibel in der Sprache von heute weiterzusagen“ hat (ebd.). Der komplexen Situation des Predigtgeschehens wird das aber nicht gerecht.

Im Predigtgeschehen stehen Prediger, Hörer und Bibeltext in wechselseitigen Beziehungen zueinander. Das sieht Lehmann in Ansätzen zwar durchaus, zieht daraus aber nicht die Konsequenz, auch nach den spannungsvollen Wechselwirkungen zu fragen. Trotz allem Bemühen um eine Hörerorientierung bleiben darum die kreativen Potentiale letztlich ungenutzt. So wird die Spannung von biblischer und heutiger Sprache zwar als „Verkündigungsenergie“ (S. 66) erkannt, aber sofort kritisch der geistlichen Prüfung überantwortet, statt in ihr zunächst einmal eine innovative, kreative Kraft zu sehen. Die Überlegungen zum kreativen Predigen erschöpfen sich so lediglich in der Suche nach Alternativen zum „Frontalmonolog“ als Standardform. Als Lösungsmöglichkeiten werden z.B. Lied-, Bild-, Symbol- und Dialogpredigt, Anspiele und Bibliolog, interaktive Elemente und Fragen der Predigtinszenierung angerissen (S. 165ff). Das ist alles anderes als neu. Selbst die gerade für eine biblisch orientierte Predigtlehre interessante Frage nach einer narrativen Predigt wird nur angedeutet und die Antwort erschöpft sich in der Feststellung: „Unsere Verkündigung darf ruhig ‚narrativer’, erzählfreudiger werden.“ (S. 91) Zur Frage der freien Predigt verhält sich Lehmann zurückhaltend, rät allerdings zur Verschriftlichung der Predigt und empfiehlt, nicht spontan vom vorbereiteten Manuskript abzuweichen (vgl. S. 98f; S. 40). In Lehmanns Worttransport-Modell fällt also die Beschreibung des Spannungsfeldes zwischen Prediger, Hörer und Bibeltext weit hinter die aktuellen, homiletischen Diskussionen zurück und auch die Potentiale für eine tatsächlich kreative Predigpraxis bleiben letztlich ungenutzt.

Fazit: „Einfach von Gott reden“ ist kein Lehr-, sondern ein Arbeitsbuch mit pietistischem Hintergrund. Wem das Umfeld sprachlich und theologisch nahe ist, wird in Lehmanns Buch zwar nicht viel Neues erfahren, aber sicherlich Anstöße und Anregungen bekommen, die eigene Predigtpraxis zu bedenken. Da das Buch wenig homiletisches und exegetisches Wissen voraussetzt, kann es sich auch gut für Prädikantinnen und Prädikanten eignen, die an ihrer Predigtpraxis arbeiten möchten; für sie dürften vor allem die praktischen Übungen interessant sein. Homiletisch erreicht das Buch allerdings nicht den aktuellen Diskussionsstand und wer Impulse für eine kreative Predigtvorbereitung und alternative Predigtformen sucht, wird schnell enttäuscht sein.

Christian Lehmann: Einfach von Gott reden. Liebevoll, praktisch und kreativ predigen. SCM R. Brockhaus, Witten, 2012. ISBN 978-3-417-26469-2| 13,95 € | 238 S.