Prämissen/Leitidee verändern

Sachtexte beruhen ebenso wie erzählende Texte auf bestimmten Vorannahmen – „Was wäre, wenn …“  – nur in den seltensten Fällen werden diese Vorannahmen ausgesprochen. Indem ein Text mit einer kontrastierenden Vorannahme verbunden wird, kann eine Auseinandersetzung mit solchen Vorannahmen möglich werden. Beispielsweise kann eine Wundergeschichte unter der Prämisse neu erzählt werden, dass es keine Wunder gibt.
Eine anspruchsvollere Aufgabe ist, zunächst die (impliziten oder expliziten) Vorannahmen eines Textes zu erarbeiten, sie dann zu verändern und den Text unter den veränderten Bedingungen neu zu schreiben.

Perspektivwechsel

Eine Geschichte wird aus einer anderen Perspektive neu erzählt. Zum Beispiel kann eine Wundergeschichte von der dritten in die erste Person umgesetzt und aus der Sicht des Geheilten oder eines Jüngers werden. Oder ein Psalm von der ersten in die dritte Person umgeschrieben werden. Im ersten Fall könnte es darum gehen, die Ich-Erzählung um einen inneren Monolog zu erweitern, im zweiten Fall darum, den Psalmbeter und die Situation in der er sich befindet, zu beschreiben.
Anspruchsvoller ist die Aufgabe, eine neue Person dazu zu erfinden, die von dem Ereignis berichtet, statt einer Person Gegenstände erzählen zu lassen (z.B. die Krippe in der Weihnachtsgeschichte, der Stock des Mose oder die Trage, auf der der Gelähmte zu Jesus gebracht wird) oder eine Geschichte aus der Sicht einer Randperson oder eines Gegners zu erzählen. Der Perspektivwechsel gehört zu den wichtigsten Methoden in der narrativen Predigt.

Wörterblume/Wörtersonne

Wörterblume bzw. Wörtersonne sind grafisch organisierte Listen. Sie sind vor allem als Einstiegsübungen geeignet, weil sie eine Struktur vorgeben, die ausgefüllt werden muss. Es gibt solche grafisch organisierten Listen in zahlreichen Versionen.

Bei der Wörtersonne wird ein Stichwort umkreist und von diesem Kreis gehen zehn Strahlen ab, auf die jeweils ein Einfall notiert werden kann.

Wörtersonne

Auch bei der Wörterblume wird ein Stichwort umkreist, jedoch umgeben diesen Anfangskreis zehn Blütenblätter, auf die dann die Einfälle geschrieben werden.

Wörterblume

Die Wörtersonne entspricht bereits der Anfangs-Mindmap im Mindmapverfahren, während die Wörterblume durch die Umrahmung der Assoziationen an eine einfache Clusterform erinnert.

Liste/Hitliste

Die Liste ist das einfachste Mittel, eine Reihe von Notizen zu einem Thema zu sammeln. Die Liste ist eine oft unterschätzte Grundmethode. Zur Sammlung von Assoziationen zu einem Stichwort empfiehlt es sich, die Länge der Liste klar zu bestimmen, zum Beispiel 10 Wörter zu einem Stichwort oder Thema zu sammeln. Das ist sehr einfach und dennoch effektiv, weil es dazu zwingt, sich auf mehr als nur den erstbesten Einfall einzulassen.
Die Hitliste zählt Einfälle nach einem Kriterum auf (die zehn Besten, Schlechtesten etc.) und zwingt zu Überlegungen nach einer Hierachie.
Das Problem von Listen ist: Sie werden sehr schnell unübersichtlich, weil jede Assoziation gleichwertig neben einer anderen steht. Und sie lassen sich nur schwer weiter entwickeln. Listen kommen vor allem dem linear-begrifflichen Denken entgegen. Eine Weiterentwicklung der Hitliste ist, was man im Mindmapverfahren eine Anfangsmindmap nennt: Die Einfälle werden nicht linear, sondern auf Linien rings um ein Anfangswort gesammelt. Grafisch organisierte Listen sind Wörterblume/Wörtersonne.

Interview schreiben

Durch ein fingiertes Interview mit dem Verfasser eines Textes oder einer Person aus einer Geschichte kann man sich stärker in den Schreibanlass, die Situation und die handelnden Personen hineindenken. Dem kann eine Phase der Textarbeit mit einer Mindmap vorausgehen. Interviews sind zudem eine Möglichkeit, Sachtexte zu bearbeiten, in ein Sachtext in eine Interviewform gebracht wird.

Was wäre, wenn …

Die „Was wäre, wenn …“-Methode ist eine Grundmethode des erzählenden kreativen Schreibens – freilich ist sie auch eine Grundmethode der Produktion von Sachtexten und Essays, aber das ist eine anspruchsvollere Aufgabe, die durch den Entwurf von Erzählungen methodisch eingeübt werden kann. Das Bindeglied zwischen beidem ist das sog. Gedankenexperiment. Eine einfache Form von „Was wäre, wenn …“-Überlegungen ist das Durchspielen von Handlungsalternativen.

Handlungssequenzen

Die Handlungssequenzen einer Erzählung werden als Kette von Ereignissen dargestellt. Zu jedem Kettenglied soll eine mögliche alternative Handlungssequenz notiert werden. Die Methode geht zurück auf die linguistische Handlungssequenzanalyse. Sie kann fortgesetzt werden mit der Methode „Was wäre, wenn …“, indem an einem Punkt ein alternativer Handlungsstrang entwickelt wird (vgl. Fortsetzung schreiben)

Haiku/ Senryû (Rhythmus 575)

Haiku und Senryû sind ursprünglich Formen der japanischen Lyrik. Sie haben ein recht einfaches Schema: Es handelt sich um dreizeilige Gedichte, mit 5 Silben in der ersten, 7 Silben in der zweiten und wieder 5 Silben in der dritten Zeile. Der Unterschied zwischen Haiku und Senryû besteht nicht in der Form, sondern im Inhalt: Haikus sind Naturgedichte, während in Senryû alle Themen behandelt werden können. Allerdings hat sich mittlerweile für beide Formen die gemeinsame Bezeichnung Haiku eingebürgert (vgl. Tanka).