Cluster und Mindmap als Zeichnungen

Die Künsterlerin Susanne Haun denkt ihrem Blog über die Verbindung von Mindmaps und Kunst nach – und hat in dem Zusammenhang Aquarell-Mindmaps veröffentlicht. Ein interessantes Projekt, auch wenn Nicht-Künstler sicher einen anderen Anspruch an ihre Mindmap stellen. Aber schon bei Tony Buzan finden sich Beispiele für die Verschränkung von Kunst und Mindmap. Die künsterlerische Darstellung hat dabei aber keinen Selbstzweck, sondern dient dazu Impulse zu geben und Assoziationen zu wecken (vgl. Mindmap).

In meiner Praxis verschränken sich Clustermethode und Mindmap zu einem kreativen Spielfeld, auf dem ich Ideen ausprobieren kann. Manchmal sogar, wie bei der Vorbereitung der heutigen Predigt, mit kleinen Skizzen:

Predigtskizze "Weltuntergang? Nicht schon wieder!"Das ist keine Mindmap im strengen Sinne, sondern eher ein Cluster mit graphischen Elementen. Als Predigtskript wäre das natürlich zu verworren. Es ist die Grundlage für die Ausarbeitung einer Predigt – und sei es, dass die Stichworte zur in eine schnell aufnehmbare Reihenfolge gebracht würden. Die vier Predigtteile sind aber klar zu erkennen.

In den meisten Fällen bleibt es bei sprachlichen Skizzen, wie hier, wo der Übergang vom Cluster zum Schreiben sichtbar wird:

Predigtcluster zu WundergeschichtenSo ein Cluster ist bloß ein Sprungbrett, um ins Schreiben zu kommen: Zusammenhänge werden zu einem Versuchsnetz geknüpft, aus dem irgendwann erste Ideen, Sätze, Thesen entstehen. Mit so einem Cluster kann niemand etwas anfangen als der Schreibende selbst. Schon nach kurzer Zeit wird es aber auch für den Autor schwierig, die alten Verknüpfungen und Zusammenhänge wieder zu entdecken. Das Cluster dient nur für den Augenblick.

Eine Mindmap kann dagegen durchaus auch von anderen verstanden und vom Autor auch später noch einmal verwendet werden. Richtige Mindmaps entstehen bei mir erst ganz am Ende, zum Beispiel als Stichwortzettel wie bei diesem Predigtcluster zu einer Pfingstzeltlager-Predigt in Verbindung mit der Daniel-Geschichte:

Predigt-Mindmap zur einer PfingstpredigtZwar fehlen Zeichnungen, aber es gibt farbige Kennzeichnungen und graphische Elemente, die als nächsten Schritt auch abbildende Elemente enthalten könnten.

Anfangen muss man selbst

Boris Maggionis Sachbuch „Romane schreiben für Anfänger und Fortgeschrittene“ hält in zweifacher Weise nicht, was der Titel verspricht: Es ist kein Buch für Fortgeschrittene und sagt nur begrenzt etwas über das Schreiben von Romanen. Wer einen Kindle besitzt und sich für als Neuling für das Schreiben von Geschichten interessiert findet hier aber eine günstige Einführung.

Dass Maggioni nichts Neues schreibt, sieht der Autor selbst: „All das, was in diesem Buch steht, stand so oder ähnlich schon in vielen anderen Büchern.“ (Pos. 1381) Maggioni ist aber der Meinung, ihm sei eine umfassendere, verständlichere und hilfreichere Schreibanleitung gelungen. Es ist das Recht des Autors, dieser Meinung zu sein, aber für ein paar Euro mehr bekommt man etwas mit Fritz Gesings „Kreativ schreiben“ und Sybille Knauss „Schule des Erzählens“ informativere und vor allem besser geschriebene Einführungen.

Methodischer Kern bei Boris Maggioni ist die „Was wäre, wenn …“-Methode (Pos. 1139): Man überlege sich ein Grundsetting und überlege: „Was wäre, wenn …“ Dann überlege man sich 10-30 Alternativen, entscheide sich für die Beste, notiere sich diese und fahre fort „was wäre, wenn dann …“. Das ist die Grundtechnik des Plottings (obwohl sich bei Maggioni der Begriff des Plots nicht findet). Im Prinzip entstehen so durchaus komplexe Geschichten. Damit es nicht zu flach wird, braucht man natürlich gut geschaffene, nicht zu klischeehafte Charaktere. Man brauchte einen starken Konflikt und die Hauptperson muss sich im Laufe der Geschichte verändern. Man muss auf seinen sprachlichen Ausdruck achten. Aber der Kern ist, durch die „Was wäre, wenn“-Frage eine glaubwürdige Geschichte zu schaffen.

Dann muss man nur noch anfangen zu schreiben. Neben dem andauernden Verweis auf die „Was wäre, wenn“-Frage ist das ein zweiter Dauerton des Buches: Alles Wissen über gute Geschichten nützen nichts, wenn man nicht anfängt. Auch damit hat Maggioni zweifellos recht: Wer schon andere Schreibbücher kennt und noch immer auf der Suche ist nach der ultimativen Schreibmethode, wird sie auch hier nicht finden. Er stößt aber auf den richtigen Tipp, einfach anzufangen. Denn das bleibt niemandem erspart.

Was den Roman von anderen Erzählformen unterscheidet, dazu sagt Maggioni eigentlich nichts. Für ihn ist der Roman einfach nur eine komplexere, längere Erzählform, die beim Schreiben einen längeren Atem erfordert als das Schreiben einer Kurzgeschichte. Insofern wäre „Romane schreiben für Anfänger und Fortgeschrittene“ besser betitelt mit „Schreiben für Anfänger“.

Fazit: Wer schon diverse Schreibbücher kennt, wird hier nichts Neues finden außer der Erkenntnis, dass einem Schriftsteller das Schreiben von niemandem abgenommen wird: Man muss eben anfangen zu schreiben, auch wenn’s schwer fällt. Wer sich neu für das Thema interessiert findet insbesondere in der Kindle-Ausgabe eine locker geschriebene Einführung. Der Erwerb der Printausgabe lohnt sich nicht, weil es für wenig mehr Geld wesentlich bessere Schreibbücher gibt.

Maggioni, Boris: Romane schreiben für Anfänger und Fortgeschrittene, Selbstverlag (CreateSpace Independent Publishing Platform) o.O. 2012, ISBN 1477671013 | als Taschenbuch 9,90 €, als eBook (nur für Kindle) 4,97€ | 150 S.

Zeitungsmeldung

Eine häufige, vielleicht schon zu häufig eingesetzte Methode imitierenden Schreibens ist die Zeitungsmeldung – v.a. im Stile der BILD-Zeitung. Trotzdem kann das Verfahren nach wie vor brauchbar sein.
Die Methode eignet sich gut für den Unterricht: Schon jüngere Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, diesen Stil – orientiert an den W-Fragen – zu kopieren.

Wort zum Sonntag schreiben

Das „Wort zum Sonntag“ schreiben spricht für sich. Durch die ironische Distanz zum Text fällt es leichter, einen Text schnell zu produzieren. Die Methode kann helfen, eigene Predigtklischees frei zu legen.

Verdorbener Text

Die Methode „Verdorbener Text“ ist eine Methode für den Unterricht. Sie konfrontiert Schüler mit einem vorbereiteten Textfragment, das es zu rekonstruieren oder zu ergänzen gilt. Die Methode kann kombiniert werden mit dem Textpuzzle.

Wörter ersetzen

In einem Text werden nur einzelne Wörter ausgetauscht (vgl. Variationen und Umkehrung). Zum Beispiel können in einem Psalm einzelne Wörter durch eine Opposition ausgetauscht werden (reich gegen arm, Feind gegen Freund, Weite gegen Enge, Recht gegen Unrecht etc.;). Diese Methode eignet sich insbesondere für lyrische Texte (z.B. Psalmen) und Texte mit hohen Redundanzen (Gleichnisse).

Variationen

Die Variation ist die allgemeinste Bezeichnung für Texteingriffe. Einstiegsübung kann ein einzelner Vers sein, der nach allen möglichen sprachlichen Regeln variiert wird.
Im Anschluss daran kann das Verfahren an längeren Texten probiert werden und über die bloß sprachliche Variation hinausgehen. Dazu gehört z.B. das Spiel mit Handlungsalternativen und den damit verbundenen Veränderungen im Text.
Vor allem kleine Formen, wie z.B. in der Arbeit mit einzelnen Versen oder kurzen Perikopen, eignen sich zur Variation, weil die Texte überschaubar sind und einerseits Original und Variante, andererseits mehrere Varianten miteinander verglichen werden können. Der Vorteil variierender Transformation liegt auf der Hand: Es ist einfacher, eine Vorlage nach eigenen Vorstellungen zu überarbeiten, statt einen Text von Grund auf selbst zu schreiben. Mit wachsender methodischer Schreibkompetenz wird man sich aber immer weiter von der ursprünglichen Vorlage entfernen können.

Textverfremdung

Die Textverfremdung zielt darauf, einen Aspekt eines bereits erarbeiteten Textes besonders heraus zu stellen, indem der Text vollständig umgearbeitet wird (vgl. Variationen)
Beispiele für Textverfremdungen sind die Veränderung von Ort oder Zeit der Handlung, Veränderung der handelnden Personen (z.B. Männer- und Frauenrollen tauschen), die Gestaltung als Fabel oder die Erzählung rückwärts (vom Ende zum Anfang: Die Jona-Geschichte z.B. beginnt dann nicht mit der Berufung, sondern mit Jonas Warten auf die Vernichtung Ninives).

Textumbau

Die Methode des Textumbaus ist auf die formalen Eigenschaften eines Textes gerichtet. In der Regel es darum, einen lyrischen Text in Prosa oder Drama umzusetzen oder umgekehrt. Vor allem die Methode, einen Prosatext schrittweise immer weiter zu ‚verdichten’, bis daraus ein ‚Gedicht’ entsteht, dürfte gerade auch für Ungeübte zu bewältigen sein. Ziel ist, einen Text auf einen Kerngedanken zu reduzieren – unabhängig davon, ob dieser der vermeintliche Kerngedanke des Textes insgesamt ist (vgl. Précis und Text löschen)