Västerås-Methode

Die Västerås-Methode ist ein einfaches, vierschrittiges Verfahren, um in einer Gruppe über einen Text zu sprechen. Im Mittelpunkt steht dabei ein strukturiertes Gespräch, bei dem der Text Vers für Vers betrachtet wird. Vorbereitet wird dieses Gespräch durch eine Phase der individuellen Textbegegnung, bei der der Text mit einfachen Randzeichen versehen wird. Gerahmt ist das Ganze durch das Vorlesen des Bibeltextes. „Västerås-Methode“ weiterlesen

Fünf-Schritte-Methode

Die Fünf-Schritte-Methode ist eine Lesemethode, die auf gründliche Lektüre und inhaltliche Bündelung konzentriert ist. Das Verfahren wird unterschiedlich beschrieben und begegnet unter verschiedenen Namen (z.B. SQ3R-Methode). Was diese Methodenfamilie verbindet ist, dass der zentrale dritte Schritt, das genaue Lesen, zwei vorbereitende und zwei nachbereitende Phasen hat. „Fünf-Schritte-Methode“ weiterlesen

Close Reading. Ein vereinfachtes Verfahren

„Close Reading“ ist eine Methode zum intensiven Lesen eines Textabschnitts. Im engeren Sinne entstammt „Close Reading“ der amerikanischen, literaturwissenschaftlichen Bewegung des New Criticism. Im weiteren Sinne ist Close Reading ein Werkzeug zur Textinterpretation, das einen Text zunächst einmal aus sich selbst heraus verstehen will. „Close Reading. Ein vereinfachtes Verfahren“ weiterlesen

Background Shapes in Scapple

Auf dem Blatt Papier lassen sich Notizen auch dadurch miteinander verbinden, dass man einen gemeinsamen Rahmen um diese Notizen zieht. Scapple bietet über die Funktion „Background Shape“ (ich übersetzte das mal mit Hintergrundrahmen“) eine vergleichbare Möglichkeit. Über “Notes/New Background Shape” wird dieser Hintergrundrahmen eingefügt. Auf diesem Hintergrund lassen sich Notizen ablegen. Background Shapes lassen sich wie normale Notizen formatieren, nur dass sie sich nicht direkt beschriften lassen. Werden mehrere Notizen ausgewählt, lassen sie sich direkt mit einem angepassten, gemeinsamen Hintergrundrahmen versehen.

Wird ein Background Shape angeklickt, erscheint im Inspector ein neues Elemtent: magnetisch. Solange “magnetisch” nicht aktiviert ist, lässt sich der Hintergrundrahmen unabhängig von den Notizen verschieben. Wird “magnetisch” aktiviert, werden alle Notizen, die auf dem Hintergrund abgelegt sind, immer mitverschoben. Das gilt auch, wenn die Notiz über den Rahmen hinausreicht oder ihn nur leicht berührt.
Background Shapes lassen sich wie normale Notizen miteinander verbinden. Auch kann so ein Rahmen auf eine einzelne Notiz innerhalb eines anderen Rahmens verweisen. Eine einzelne Notiz lässt sich mit dem Rahmen allerdings nur über “Notes/Connect” verbinden, denn wenn eine Notiz auf einen Rahmen gezogen wird, wird sie darauf abgelegt.

Hintergrundrahmen (Background Shapes) bieten eine einfach Möglichkeit, komplexe Notizen zu strukturieren und neben den Verbindungspfeilen Zusammenhänge sichtbar zu machen. Die folgende Grafik zeigt die Punkte diese Posts noch einmal übersichtlich an.

Scapple – die Grundfunktionen vorgestellt

Ich hab meine ersten Erfahrungen mit Scapple gesammelt und bin begeistert: Auf so ein Programm habe ich lange gewartet. OK, es gibt auch Sachen, die ich vermisse, aber vom Ansatz her ist es wunderbar, weil einfach und fast intuitiv. Wer das Programm allerdings als Mindmapping-Software oder Programm zur Erstellung von Grafiken und Flowcharts missversteht, wird enttäuscht werden. Ich will in loser Folge mal die Funktionen des Programms vorstellen. Heute geht es los mit den Grundfunktionen. Ich mache das mal als Grafik aus Scapple heraus, weil das gleich viel mehr demonstriert als jede Beschreibung.

Ein Klick auf das Bild erlaubt eine 100%-Ansicht:

Wie Scapple funktioniert - #1

Grundfunktion von Scapple #2

Wie man an meinem ersten Predigtentwurf mit Scapple sehen kann (siehe hier) sind natürlich vielfältige Verbindungen möglich.

P.S: Den Inspector kann man doch andocken: Über das Optionenmenü lässt sich der Inspektor am rechten Rand anzeigen. Er ist dann nicht immer im Weg, verbraucht aber sehr viel Platz. Sinnvoll ist das nur, wenn man einen sehr großen Bildschirm zur Verfügung hat.

 

Ins Labyrinth der Zettel

Zettelkästen sind für viele, die schreiben, eines der wichtigsten, kreativen Werkzeuge. Eine Ausstellung im Deutschen Literaturarchiv in Marbach erlaubt im Jean-Paul-Jahr 2013 einen Einblick in die sonst verschlossenen Zettelwelten, denn in der Regel findet sich im Labyrinth der Zettel nur der zurecht, der es angelegt an. Wem die Reise an den Neckar zu weit ist, kann sich an einem großartig gestalteten Katalog erfreuen, der gerade erschienen ist. Neben einem 163-seitigen Textteil gibt es einen rund 220-seitigen Bildteil, der einen guten Einblick gibt in die Vielgestaltigkeit von Zettelkästen. Allein das Stöbern darin ist eine große Freude.

„Zettelkästen sind Häuser des Lesens, Denkens und Schreibens“ (5), beginnen Heike Gfrereis ihren Aufsatz zur Einleitung in den Katalog und die Ausstellung. Der Textteil ist selbst wie ein Zettelkasten aufgebaut: Sortiert nach „15 Buchstaben eines unvollständigen Alphabets“ (14) von „a“ wie ABSTRACT bis „z“ wie ZYKEL finden sich dort Aufsätze über und Beiträge von Schriftstellern und wie sie Zettel(-Kästen) zum Schreiben nutzten und nutzen. Jeder Text ist einem Stichwort zugeordnet. Der Einleitungstext zum Stichwort „Architektur“ von Gfrereis und Strittmatter funktioniert wie ein Index, der mit Pfeilen markierte und grün unterlegte Verweise auf die Beitrags-Stichworte im Text enthält. So wird die Einleitung zum Sprungbrett in die nachfolgende Sammlung von Texten (die selbst wiederum aber nur an wenigen Stellen auf andere Texte verweisen).

Die längeren Aufsätze des Kataloges widmen sich jeweils einem Schriftsteller oder Wissenschaftler und stellen die Besonderheiten seines Zettelkastens vor. In diesen Texten werden die Arbeitsweisen von unter anderem von Jean Paul, Walter Benjamin, Walter Kempowski, Niklas Luhmann, Arno Schmidt und Aby Warburg betrachtet. Eine Ausnahme ist der Text von Hektor Haarkötter, der einen Einblick gibt in die Geschichte des Zettelkastens selbst. Die Kuratorinnen Heike Gfrereis und Ellen Strittmatter wiederum haben zu einigen Exponaten kurze Erläuterungen geschrieben. Sie werden ergänzt durch kurze Beiträge der Schriftsteller F.C. Delius, Oswald Egger, Jochen Missfeldt, Eckart Henscheid, Wilhelm Genanzino und Alissa Walser, die beschreiben, wie in ihrer Arbeit Zettel tatsächlich vorkommen – oder auch nicht.

Denn Zettelkasten ist nicht gleich Zettelkasten, das wird beim Lesen der verschiedenen Beiträge schnell deutlich. Deshalb ist es gut, dass die Kuratorinnen die Ausstellung und den Katalog mit dem Plural „Zettelkästen“ überschreiben. Die Arbeitsweisen der verschiedenen Autoren mit ihren Kästen sind höchst unterschiedlich. Verbindend ist allenfalls der Kampf mit dem Chaos der Vielzahl von Zetteln. Die Spannung von Ordnung und Unordnung ist allerdings Voraussetzung ist für den kreativen Prozess. Insofern sind es tatsächlich Zettel-Labyrinthe, in die der Katalog hineinführt.

Dass Zettelkasten nicht gleich Zettelkasten ist, kann man ganz gut und in zweifacher Hinsicht an F.C. Delius verdeutlichen. Zum einen gilt: Ein Zettelkasten muss nicht aus Holz und Papier bestehen: F.C. Delius hat Mitte der 80er Jahren den Computer als besseren Zettelkasten entdeckt. Hier trifft er sich mit Friedrich Kittler, der zur gleichen Zeit von Karten auf virtuelle Datensätze umgestellt hat. Kittler hat dabei nicht einfach die Struktur des Kastens aus Holz und Papier am Rechner nachgebildet, sondern in der digitalen Verarbeitung „ein völlig neues Medium“ (53) erkannt. Die „Optionen ‚Copy’, ‚Paste’ und ‚Print’“ stellen für Delius sogar eine Befreiung von den steifen Karteikarten dar (16).

Delius’ Vorbehalt gegen den traditionellen Zettelkasten liegt zum anderen in dessen angeblich linearer, hierarchischer Ordnung. Ein Vergleich mit Niklas Luhmann zeigt, dass sich diese Ordnung mit einfachen Regeln auflösen lässt, so dass der Zettelkasten zu einem fast schon organischen Wesen wird: Luhmann sieht im Zettelkasten einen Kommunikationspartner, der es versteht, sein Gegenüber mit Ideen und interessanten Zusammenhängen zu überraschen. Das gelingt, gerade weil der Zettelkasten „keine systematische Gliederung und inhaltliche Ordnung aufweist“ (87).

Der umfangreiche Bildteil des Kataloges macht die abstrakten Überlegungen zu den Zettelkästen anschaulich. Der Buchblock ragt 5 mm aus dem Buchblock des Textteils heraus. Auf dem Deckblatt finden sich die fünfzehn Buchstaben der Ausstellung wieder. So ist es jederzeit gut und übersichtlich möglich, aus dem Text in den Bildteil zu springen und sich anzusehen, worüber man gerade gelesen hat. Das ist nicht nur elegant sondern auch sehr schön gelöst. Etwas umständlich ist, dass die Fußnoten zum Textteil sich am Ende des Buches hinter dem Bildteil verstecken. Aber damit kann man leben.

Großartig ist, dass die Abbildungen Zettel aus den Kästen ziehen. So wird sichtbar, wie der jeweilige Autor notiert und seine Zettel im Kasten angelegt hat. Hier zahlt sich die Trennung von Textteil und Bildteil wirklich aus. Statt wie sonst oft üblich die Fotografien zu bloßen Illustrationen zu degradieren, haben die guten Fotografien durch viel Weißraum die Möglichkeit, eine eigene Wirkung zu entfalten. Das gleich gilt umgekehrt übrigens auch für den Text: das schöne und großzügige Layout macht das Lesen doppelt Freude.

Fazit: „Zettelkästen“ ist ein großartiger Ausstellungskatalog, der auch als eigenständige Publikation funktioniert. Wer sich für Zettelkästen interessiert, gewinnt einen hervorragenden Einblick in die Arbeitsweisen von Schriftstellern und Wissenschaftlern, die den Zettelkasten als kreatives Werkzeug nutzen. Auch wer sich bislang nicht mit dem Zettelkasten befasst hat, wird hineingeführt in die Faszination der Zettellabyrinthe – und bekommt vielleicht Lust, diese kreativen „Maschinen der Phantasie“ für sich selbst zu entdecken.

Heike Gfrereis und Ellen Strittmatter (Hrsg.): Zettelkästen. Maschinen der Phantasie (Marbacher Katalog 66), Marbach am Neckar 2013.
ISBN 978-3-93734-83-2| 28 € | 382 S. [Link zum Shop der Literaturarchivs]

[Link zur Infoseite über die Ausstellung auf der Homepage des Deutschen Literaturachivs]

Cartoonale Homiletik

Eine Predigt-Mindmap„Schreib doch mal eine cartoonale Homiletik, über die allmähliche Formulierung der Gedanken beim Zeichnen“, hat Silke vorgeschlagen. Eine schöne Idee. Hätte ich doch mehr Zeit. Das Bild oben zeigt einen Predigtentwurf zu Hiob 14,1-6 – mal gestaltet mit Aquarellfarben, inspiriert von den Überlegungen von Susanne Haun.

Quelle: Redline Verlag http://www.m-vg.de

Wenn es eine cartoonale Homiletik gäbe, sähe sie wahrscheintlich ein bisschen so aus wie Dan Roams „Auf der Serviette erklärt“ (Redline Verlag, München 2009). Das Buch hat zwar weder was mit Homiletik noch mit Cartoons zu tun, aber es demonstriert sehr schön, wie visuelles Denken funktioniert. Es zielt dabei auf grafisches Gestalten bei Vorträgen ab, aber die Grundprinzipien lassen sich auch für die Predigtvorbereitung nutzen.

Dan Roams Grundprinzip ist, das „innere Sehvermögen zu nutzen, …, um Ideen zu entdecken, die sonst unsichtbar sind“ (S.14). Es geht dabei nicht um einen künstlerischen Anspruch, sondern um das Nutzen der Kraft von Bildern, um Ideen so zu entwickeln, dass sie auch anderen schnell und einfach einleuchten.

Ich fand das Buch sehr inspirierend nicht nur für die Predigtvorbereitung, sondern auch für den Einsatz von zeichnendem Erklären und Erläutern im Konfirmandenunterricht und der Erwachsenenbildung. Mittlerweile ist zu dem Buch auch ein Übungsbuch erschienen.