Ich mag englische Weihnachtslieder und habe hier bereits Übertragungen veröffentlicht, zum Beispiel In der Wintermitte (In the Bleak Midwinter) und In der Stadt von König David (Once in royal David’s City). Nach längerer Zeit habe ich mal wieder einen Text erstellt zu dem nicht so bekannten, aber schönen Wexford Carol.
„In dieser stillen, heil’gen Nacht“ weiterlesenEine Frage der Neutralität
Zu führungsethischen Konsequenzen für die Polizei im Zusammenhang mit Klimaprotesten
Abstract: Klimaproteste sind Ausdruck und Verstärker gesellschaftlicher Konflikte. Das hat berufs- und führungsethische Konsequenzen für die Arbeit der Polizei. Ausgehend von der ethischen Komplexität des Klimawandels und der Klimagerechtigkeitsbewegung wird dargelegt, dass Proteste einerseits die demokratische Teilhabe fördern, andererseits jedoch Rechtsgüter Dritter beeinträchtigen können. Dies führt in ein Spannungsfeld zwischen Versammlungsfreiheit, Gefahrenabwehr und Strafverfolgung, innerhalb dessen die Polizei agieren muss. Im Fokus der Überlegungen steht die Frage, inwiefern eine Polizei, die zur Neutralität verpflichtet ist, jedoch selbst von den Konflikten betroffen ist, überhaupt neutral agieren kann. Anhand von Konzepten wie „Protest Policing“, dem Einsatz von Gewalt, einer vertrauensbasierten Organisation und dem polizeilichen Führungsmodell wird herausgearbeitet, dass eine Ethik der Neutralität neutrales Handeln allenfalls als regulative Idee verstehen kann. Führungsethisch gesehen ergibt sich daraus die Aufgabe, Reflexionsräume für die moralische Urteilskraft, transparente Güterabwägungen, professionelle Deeskalationskommunikation und dialogisch-diskursive Entscheidungsverfahren zu etablieren. Polizeiliches Handeln steht deshalb vor der Herausforderung, eine verantwortungsbewusste Balance herzustellen zwischen dem rechtlichen Auftrag, moralischen Grundsätzen und den Rechten von Betroffenen.
(Entwurf für einen Vortrag im Rahmen der Bewerbung auf die Polizeipfarrstelle vom Januar 2024. Leicht überarbeitet und Literaturverzeichnis für den Blogbeitrag aktualisiert im Dezember 2025.)
„Eine Frage der Neutralität“ weiterlesenDem Guten nachjagen
Zu einem Einführungsgottesdienst von Pfarrer:innen gehört, dass der oder die Eingeführte die Predigt hält. Am 23. Januar 2025 wurde ich in einem Gottesdienst in der Friedenskirche in Münster offiziell in meine Polizei-Pfarrstelle eingeführt. Die Stelle als Polizeipfarrer hatte ich am 1. August 2024 angetreten (siehe Neue Perspektiven). Meine Aufgaben sind zum einen, im Auftrag der EKD „Ethik im Polizeiberuf“ an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster-Hiltrup zu unterrichten und zum anderen für die EKvW am „Zentrum für Ethische Bildung und Seelsorge“ (ZeBuS) am LAFP der Polizei NRW mitzuarbeiten. Hier die ausformulierte Fassung meiner Predigt.
„Dem Guten nachjagen“ weiterlesenWissenschaftlich kreativ
Trocken und eintönig zu sein, das ist der Ruf, der wissenschaftlichen Texten oft vorausgeht, wenn sie nicht gleich ganz als unlesbar gelten. Auch wenn das nicht immer abzustreiten ist, hat sich daran in den letzten zwei Jahrzehnten einiges geändert. An den meisten Universitäten gibt es heute beispielsweise Schreibzentren. Sie geben nicht nur praktische Anleitungen für das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten. Auch Methoden des Kreativen Schreibens haben längst Eingang ins wissenschaftliche Schreiben gefunden. Viele Bücher über das Anfertigen von Haus-, Bachelor- oder Masterarbeiten konzentrieren sich auf die formalen Anforderungen wie korrekte Zitierweisen. Ausnahmen sind Frank L. Cioffis (auf Deutsch vergriffenes) „Kreatives Schreiben für Studenten & Professoren“ und Ulrike Scheuermanns „Schreibdenken“. Julia Genz hat gerade eine gute Ergänzung vorgelegt: „Wissenschaftlich arbeiten mit kreativen Techniken“.
„Wissenschaftlich kreativ“ weiterlesenNeue Perspektiven
Bilanz nach 20 Jahren homilia.de
Für homilia.de plane ich eine kleine Veränderung. Das hat mit einem Stellenwechsel und damit verbundenem, veränderten Aufgabengebiet zu tun. Was ist neu? Was wird anders?
„Neue Perspektiven“ weiterlesenGroße Erwartungen
Der Waisenjunge Pip wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Weil Miss Havisham einen Spielgefährten für ihre Adoptivtocher Estella sucht, kommt Pip in das Haus der wohlhabenden Dame. Pip verliebt sich in Estella, hat aber als armes Waisenkind keine Chance. Da taucht ein unbekannter Wohltäter auf, der Pip eine gute Erziehung in London finanziert und für die Zukunft ein großes Vermögen verheißt. Pip denkt, dass Miss Havisham die Wohltäterin ist, um Pip in die Lage zu versetzen, Estella einmal heiraten zu können. Aber Pip irrt. Am Ende platzen die hochfliegenden Träume. Das ist der Stoff von Charles Dickens Roman „Große Erwartungen“.
„Große Erwartungen“ weiterlesenEwige Anfänger
Mit jedem neuen Text fängt man neu an zu lernen, wie Schreiben geht. So oder ähnlich haben bekannte Schriftstellerinnen – von Günter Grass über Cormac McCarthy bis zu J.K. Rowling – obwohl sie schon mehrere Bücher verfasst haben, das Gefühl auf den Punkt gebracht, mit jedem Werk wieder Anfänger zu sein. Klar, jede und jeder entwickelt eigene Routinen, um die Schreibaufgabe zu bewältigen und natürlich lernen wir aus Erfahrungen. Aber beim Schreiben bleiben wir ewige Anfänger. Dabei ist es egal, ob es um ein Gedicht geht, eine Kurzgeschichte, einen Roman oder auch eine Predigt.
Andreas Thalmayrs Buch „Schreiben für ewige Anfänger“ knüpft an diese Erfahrung an. „Andreas Thalmayer“ ist ein Pseudonym von Hans Magnus Enzensberger, der gerne mit verschiedenen Identitäten spielte und etwa auf dem Klappentext als Kritiker von Thalmayer auftritt. Das kleine, schmale Büchlein von gerade einmal 108 Seiten (von denen 18 drei „Supplemente“ von Chr. M. Wieland, M.V. Llosa und D. Kiš sind) besteht aus 27 fiktiven Briefen an einen „Manuel Zögler“, der ein Manuskript an den Autor geschickt hat.
„Ewige Anfänger“ weiterlesenPhasen im Schreibprozess
Beim Schreiben kann nicht alles gleichzeitig stattfinden, sonst besteht die Gefahr, sich zu verzetteln. Der Begriff des Verzettelns kommt aus der Weberei, wo ein Faden durch die „Zettel“ genannten Längsfäden geschossen wird. Dabei die Übersicht und den Faden zu verlieren, heißt, sich zu „verzetteln”.1 Methodisch schreiben heißt, das eigene Vorgehen beim Schreiben zu strukturieren. Die Einteilung des Schreibprozesses in Phasen kann dabei hilfreich sein, wobei jede und jeder das für sich selbst passende Prozedere herausfinden muss. Ulrike Scheuermann2 hat den Schreibprozess in sieben Phasen gegliedert, betont dabei aber: Diese Abfolge ist kein allgemeines Gesetz. Die Phasen müssen dem eigenen Schreibtyp angepasst werden. Bezogen auf das Schreiben eines Predigtmanuskripts lassen die Phasen sich wie folgt skizzieren.
Reden über die Religion 5
In Schleiermachers fünfter und letzter Rede über die Religion geht es um Religionen insgesamt. Schleiermacher weist einen rationalistischen „natürlichen“ Religionsbegriff zurück, der eine Art konstruierter Vernunftreligion vorschlägt und die oft nichts weiter ist als religiös verbrämte Ethik und Metaphysik. Schleiermacher besteht im Gegensatz dazu auf empirischer Religiosität. Das Phänomen „Religion“ ist dabei vielfältig. Es lässt sich nicht auf einen Kern reduzieren, der allen Religionen gemein wäre. Auch die einzelnen Religionen sind durch Vielfalt gekennzeichnet. Wenn Schleiermacher über die Vielfalt der Religionen schreibt, macht er dies nicht von einem neutralen Standpunkt aus, sondern seine Sicht ist durch Vorurteile und eine Art religiöse Hierachie geprägt: Das Christentum stellt für ihn dabei die Religion der Religionen dar. So kritisch man einzelne Details wie etwa Schleiermachers Antisemitismus sehen muss, so bedeutsam ist nach wie vor sein (phänomenologisches bzw. religionssozioligisches) Grundverständnis von Religion. Auch hier versuche ich in meiner Zusmmenfassung den Redecharakter des Ursprungstextes in beizuhalten.
„Reden über die Religion 5“ weiterlesenReden über die Religion 4
In der vierten Rede über die Religion führt Schleiermacher aus, warum Gemeinschaft zentral ist für das religiöse Leben. Dieser Gemeinschaftsaspekt läuft allerdings an manchen Punkten wahrer Religiosität entgegen. Das liegt für Schleiermacher vor allem in der engen Verbindung von Staat und Kirche. Der Staat macht sich bestimmte religiöse Aspekte zu eigen und delegiert an die Kirche Aufgaben wie die Erziehung und die Etablierung moralischer Regeln und verbindet religiöse Rituale wie Taufe und Konfirmation mit bürgerlichen Anliegen. Die Kirche wiederum genießt die Bedeutsamkeit der Rolle, die ihr der Staat ermöglicht. Dadurch gerät die Kirche aber in eine unglückliche Abhängigkeit, bei der am Ende die bürgerlichen Bürokraten in der Kirche mehr zu sagen haben als die religösen Virtuosen. Wichtig ist für Schleiermacher daher, dass religiöse Gemeinschaften ihre Freiheit wiedererlangen und sich ihre Unabhängigkeit bewahren.
„Reden über die Religion 4“ weiterlesen